Streit über Atomprogramm: Iran übergeht EU-Kompromiss - DER SPIEGEL
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Streit über Atomprogramm Iran übergeht EU-Kompromiss

Trotz eines Kompromissvorschlages der EU will Iran seine Arbeiten an der Atomanlage Isfahan wieder aufnehmen. Die Europäer wollten der Regierung in Teheran politische und wirtschaftliche Anreize bieten, um sie zur Aufgabe des Atomprogramms zu bringen.
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Teheran - Die Vorbereitungen für die Urananreicherung würden wie geplant beginnen, sagte ein hochrangiger Unterhändler in dem Atomstreit der Nachrichtenagentur Reuters. Die iranische Führung kündigte an, man werde innerhalb von 48 Stunden über die Vorschläge entscheiden.

Der ultra-konservative iranische Ajatollah Ahmed Dschannati drohte, Iran werde mit seinem Atomprogramm "bis an die Grenzen gehen". Man sei bereit, dafür alle internationalen Konsequenzen zu tragen. Das Land werde sich nicht das Recht auf die friedliche Nutzung nicht nehmen lassen. Nach der Inbetriebnahme von Isfahan werde man auch in der Urananreicherungsanlage von Natanz die Arbeit aufnehmen.

Die EU hatte Iran heute neue Vorschläge zur Beilegung des Atomstreits vorgelegt. Der wichtigste Punkt des Angebots sei, dass die EU Iran das Recht einer friedlichen Nutzung der Atomenergie zubillige, solange der nukleare Brennstoff hierfür vom Westen bereitgestellt werde, hieß es aus diplomatischen Kreisen.

Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy drängte Iran zum Einlenken. "Ich hoffe, dass Iran auf die Stimme der Vernunft hören wird", sagte Douste-Blazy im französischen Radiosender Europe 1. Die von der EU unterbreiteten Kompromissvorschläge seien "ehrgeizig und großzügig", beteuerte der französische Chefdiplomat.

Teheran hatte am Montag die Wiederaufnahme der Uran-Aufbereitung in der Atomanlage Isfahan angekündigt und damit international Besorgnis ausgelöst. Dann hatte sich das Land bereit erklärt, den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zeit für den Aufbau von Überwachungsgeräten zu geben. Dies sollte bis "Anfang nächster Woche" abgeschlossen sein. In Isfahan soll Roh-Uran zu Uran-Hexafluorid umgewandelt werden. Dieses Gas kann in Zentrifugen in angereichertes Uran umgewandelt werden, das je nach Grad der Bearbeitung zum Bau von Atomwaffen dienen könnte.

Die "New York Times" berichtete über Einzelheiten des Kompromisses. Iran solle ein ganzes Paket an Maßnahmen mit politischen und wirtschaftlichen Anreizen vorgeschlagen werden. Es gehe um Sicherheitszusagen sowie um Angebote beim Technologietransfer und Handelsbeziehungen. Das Paket werde mit der Zustimmung der US-Regierung unterbreitet.

Iran solle im Gegenzug verboten werden, einen so genannten "geschlossenen" Brennstoffkreislauf zu unterhalten. Teheran dürfte zwar Brennstoffe ankaufen, müsste die verbrauchten Brennstäbe zur Endlagerung jedoch in anderen Länder transportieren. Auf diese Weise solle das Land daran gehindert werden, die Stoffe für die Produktion von Atomwaffen einzusetzen. Auch die Konversion von Uran soll dem Iran demnach weiter verboten bleiben.

Ein Vertreter Irans hatte auf Anfrage der Zeitung bereits ablehnend auf den Vorschlag reagiert, da dieser den Forderungen Teherans nicht entgegenkäme. "Die Europäer sollten diesen Vorschlag nicht vorlegen. Er zeigt, dass sie ihre Position in den vergangenen zwei Jahren nicht verändert haben."