Streit um inhaftierten Kapitän: China lehnt Treffen mit Japans Premier ab - DER SPIEGEL
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China und Japan: Streit um einen Kapitän - und Rohstoffe

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Streit um inhaftierten Kapitän China lehnt Treffen mit Japans Premier ab

China hat wegen des Streits um einen inhaftierten Kapitän hochrangige Kontakte zu Japan abgebrochen - eine Beruhigung ist nicht in Sicht: Chinas Regierungschef Wen will sich beim Uno-Gipfel in New York nicht mit dem japanischen Premier treffen. Tokio warnt vor Nationalismus
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Peking/Tokio- Seit mehreren Tagen dauert der Zwist zwischen China und Japan wegen der Festnahme eines chinesischen Kapitäns - nach Ansicht der Regierung in Peking hat der Streit bereits Folgen. "Diese Angelegenheit hat die China-Japan-Beziehungen bereits ernsthaft beschädigt", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Dienstag.

Harmonie ist nicht in Sicht - China sperrt sich auch auf höchster Ebene gegen eine Beilegung des Streits: Ein Treffen von Ministerpräsident Wen Jiabao mit seinem japanischen Kollegen Naoto Kan beim Uno-Gipfel in New York sei unangemessen, hieß es aus der chinesischen Regierung.

Unterdessen warnt Japan vor nationalistischen Tendenzen in beiden Ländern. Das Wichtigste sei, dass kein "kleinlicher, extremer Nationalismus in Japan, China und sonstigen Ländern entfacht wird", sagte der Sprecher der japanischen Regierung am Dienstag vor Journalisten in Tokio. "Wir möchten alle möglichen Kanäle nutzen, damit dieser Streit nicht eskaliert", fügte Yoshito Sengoku hinzu und betonte die Bedeutung guter Beziehungen zwischen den beiden asiatischen Wirtschaftsriesen.

China hatte am Sonntag alle hochrangigen Regierungskontakte mit Japan abgebrochen, nachdem ein chinesischer Fischkutterkapitän in Japan festgenommen worden war. Die japanische Regierung gab bekannt, sie sei nicht über die Entscheidung informiert worden, dass die Gesprächskontakte eingefroren würden. Wenn China das getan habe, sei das "sehr bedauerlich", sagte ein Sprecher der Agentur Associated Press.

Ein japanisches Gericht hatte am Sonntag entschieden, die Haft des 41-jährigen Kapitäns bis zum 29. September zu verlängern. Das Außenministerium in Peking drohte umgehend mit "harten Gegenmaßnahmen". Das Boot war in der Nähe zweier von beiden Ländern beanspruchten Inseln im Ostchinesischen Meer mit zwei Schiffen der japanischen Küstenwache kollidiert.

Die Japaner werfen dem Kapitän vor, die Schiffe absichtlich gerammt und sich einer Festnahme widersetzt zu haben. Hindergrund des Streits sind handfeste wirtschaftliche Interessen: Rund um die Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu heißen, gibt es reiche Fischgründe. Zudem werden in dem Gebiet umfangreiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Der Schlüssel zur Lösung des Problems sei in den Händen Japans, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind von tiefem Misstrauen geprägt. Sie werden nach wie vor durch Japans Besetzung chinesischer Gebiete vor und während des Zweiten Weltkriegs überschattet.

Am Wochenende war es in Peking und anderen chinesischen Städten zu kleineren anti-japanischen Protesten gekommen. Einer Gruppe von 1000 jungen Japanern wurde zudem ein Besuch der Weltausstellung in Schanghai verwehrt, teilte das japanische Außenministerium mit. Peking habe die Visite für derzeit nicht angemessen erklärt. Tokio kritisierte die kurzfristige Absage als "bedauerlich". Die jungen Leute waren von Chinas Regierungschef Wen Jiabao eingeladen worden.

Peking entsandte unterdessen Schiffe der Küstenwache zu den Inseln, um Fischer zu beschützen und "um in den betreffenden Gewässern Chinas Rechte und Interessen zu wahren".

anr/Reuters/AFP