Streit um Moschee Ajatollah ruft alle Iraker zum Marsch nach Nadschaf auf
Nadschaf - Sistani, das geistliche Oberhaupt der Schiiten, kehrte am Mittwoch aus London in den Irak zurück. Sistani rief die irakischen Schiiten zu einem Marsch nach Nadschaf auf. In einer Erklärung des Geistlichen hieß es, Ziel sei es, "Blutvergießen zu verhindern, den Schrein des Imam Ali Ibn Abi Talib zu retten sowie die Belagerung und die Präsenz bewaffneter Kämpfer zu beenden".
Einer seiner Anhänger in der Nachbarstadt Kerbela sagte, es stünden bereits Dutzende von Bussen bereit, um Freiwillige in die Pilgerstadt zu bringen. Der Großajatollah, der bei den Schiiten enormen Einfluss genießt, hatte seine Heimat kurz nach Ausbruch der Kämpfe in Nadschaf verlassen, um sich in London einer Herzoperation zu unterziehen.
Der Vormarsch amerikanischer und irakischer Soldaten in der Pilgerstadt zeigt unterdessen offenbar Wirkung. Augenzeugen berichteten, mehrere Hundert Aufständische hätten in den vergangenen Tagen Nadschaf verlassen. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Abend den dritten Tag in Folge die Altstadt. Rund zehn Minuten lang waren starke Detonationen zu hören, danach folgten Schusswechsel und kleinere Explosionen.
Während die Mahdi-Miliz des schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr noch in der vergangenen Woche in der gesamten Altstadt patrouillierte, zog sie sich nun nach Angaben von US-Soldaten weitgehend auf die Imam-Ali-Moschee zurück. Amerikanische und irakische Soldaten waren am Dienstag bis auf eine Entfernung von 200 Metern an das Gotteshaus herangerückt.
Am Mittwochmorgen flog die US-Luftwaffe nach Angaben von Augenzeugen heftige Bombenangriffe auf die sunnitische Stadt Falludscha. Kampfflugzeuge nahmen Ziele in einem östlichen Bezirk unter Beschuss, zwei Stunden lang waren Explosionen zu hören. Aufständische hätten von zahlreichen Orten in der Stadt mit Luftabwehrraketen in Richtung der herannahenden Flugzeuge geschossen, hieß es weiter. Schon am Dienstag hatten die US-Streitkräfte Falludscha angegriffen. Die Stadt liegt 65 Kilometer westlich von Bagdad und gilt als Hochburg des sunnitischen Widerstandes.