Studentenproteste: Straßenschlachten in Paris - DER SPIEGEL
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Studentenproteste Straßenschlachten in Paris

Neue Randale in Frankreich: Bei Massenprotesten gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger ist es in Paris zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dutzende Sicherheitskräfte wurden verletzt, die Polizei nahm mehr als 300 Demonstranten fest.
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Paris - Nach Polizeiangaben wurden 46 Sicherheitskräfte verletzt, elf von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Erst in der Nacht beruhigte sich die Lage in der Hauptstadt wieder. Auch in anderen französischen Städten kam es zu Ausschreitungen. Landesweit wurden nach den Worten von Innenminister Nicolas Sarkozy mehr als 300 Demonstranten festgenommen. Premierminister Dominique de Villepin lehnte eine Rücknahme des umstrittenen Gesetzes weiter ab, bekräftigte aber seine Gesprächsbereitschaft.

Am Abend war die Lage in Paris eskaliert. Hunderte Demonstranten kamen nach einer Kundgebung am Platz der Sorbonne zusammen, warfen Brandsätze auf die Sicherheitskräfte und stürzten Autos um. Mehrere Cafés wurden beschädigt. Über der Gegend standen Rauchwolken, ein Buchgeschäft brannte. Mindestens ein Auto wurde angezündet. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Zudem ging die Polizei gegen Dutzende mutmaßlich Rechtsextreme vor, die vermummt durch das Quartier Latin zogen und "Linke, gebt unsere Universitäten frei" riefen. Dabei schlugen sie mit Schlagstöcken auf andere Demonstranten ein.


Auch in anderen französischen Städten gab es Randale, dabei wurden mehrere Sicherheitsbeamte verletzt. In Rennes, wo nach Angaben der Organisatoren 15.000 Menschen friedlich demonstrierten, setzten einige Dutzend Jugendliche anschließend Abfalleimer in Brand, beschädigten Autos und griffen Sicherheitskräfte an. Insgesamt seien im ganzen Land 300 Menschen festgenommen worden, davon 180 in Paris, teilte Sarkozy am späten Abend bei einem Besuch der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt mit.

"Probezeit nicht unumstößlich"

"Ich bin im Rahmen des vom Gesetz vorgegebenen Rahmens für den Dialog offen, um den Erstanstellungsvertrag zu verbessern", sagte Villepin zu den Forderungen der Studenten. Die zweijährige Probezeit sei nicht unumstößlich, sagte der für Beschäftigung zuständige Minister Gérard Larcher im RTL-Radio. Darüber könnten Arbeitgeber und Gewerkschaften verhandeln. Seine Tür stehe den Sozialpartnern für einen "Ausbau" des Vertrages jederzeit offen. Am Freitagabend wollte Villepin die Rektoren der Universitäten treffen. 46 Hochschulleiter hatten Regierung und Studenten am Mittwoch aufgerufen, einen Dialog aufzunehmen. Nach Angaben von Studentenorganisationen werden 66 der 84 französischen Universitäten bestreikt.

Landesweit demonstrierten am Donnerstag laut Polizei 247.500 Schüler und Studenten. Nach Angaben der Organisatoren waren es 500.000. In der Hauptstadt Paris beteiligten sich an der zentralen Protestveranstaltung laut Polizei 33.000 Menschen. Die Veranstalter sprachen von 120.000. In Bordeaux gingen nach Angaben von Studentenorganisationen 25.000 Menschen auf die Straße, in Marseille 15.000, in Lille 12.000, jeweils 10.000 in Clermont-Ferrand und Angers sowie 8000 in Lyon.

Morgen ist ein weiterer Protesttag geplant, der dieses Mal auch von allen Gewerkschaften und den Linksparteien unterstützt wird. Am letzten solchen Protesttag am Dienstag vergangener Woche hatten laut Polizei 400.000 Menschen teilgenommen, laut Organisatoren sogar 1,1 Millionen.

phw/AFP