Südafrika Klima des Misstrauens
Johannesburg - Jene politischen Rivalen innerhalb des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) sollen kaltgestellt werden, die eine zweite Amtszeit Mbekis gefährden könnten. Fast zeitgleich bezichtigten der Regierungschef und sein Minister für Polizei und innere Sicherheit vor laufenden Kameras führende Geschäftsleute am Kap des Komplotts gegen die Staatsführung.
Zu den Beschuldigten gehört auch der ehemalige ANC-Generalsekretär Cyril Ramaphosa, der einst schärfster Konkurrent Mbekis um das höchste Amt im Staate. Ramaphosa, heute einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes, war bereits im vergangenen Jahr ins Visier der Sicherheitskräfte geraten, die ihm Umsturzpläne nachsagten, die Beweise aber schuldig blieben. Diesmal stützten sich die Vorwürfe im wesentlichen auf die Aussagen eines der Korruption angeklagten und von der Partei suspendierten Provinzführers der ANC-Jugendliga.
Die von den Bündnispartnern und selbst von ANC-Funktionären scharf verurteilte Hexenjagd stellt nicht nur das Regierungsbündnis aus Gewerkschaften, kommunistischer Partei und ANC vor eine Zerreißprobe. Sie erschüttert auch das Vertrauen in die Führungsqualitäten des Präsidenten. Der schreckt offenbar nicht davor zurück, die Staatsmaschinerie in Gang zu setzen, um imaginierte innerparteiliche Gegner zu bekämpfen.
Denn zwischen Juni und Juli sind hohe Parteiämter in den Provinzen neu zu besetzen. Bis dahin, so scheint es, sollen die immer zahlreicher werdenden Mbeki-Kritiker auf Linie gezwungen werden. In der Partei herrsche derzeit ein Klima des Misstrauens und der Intrigen, heißt es aus ANC-Kreisen. Kaum einer, der nicht Angst habe, dass sein Telefon abgehört werde.