Südkorea: Präsident Kim will mit Ministerpräsidentin punkten - DER SPIEGEL
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Südkorea Präsident Kim will mit Ministerpräsidentin punkten

Das Seegefecht mit Nordkorea im Gelben Meer hat Südkorea in eine Regierungskrise gestürzt. Präsident Kim Dae Jung entließ jetzt Ministerpräsident Lee Han Dong und sechs Minister. An die Spitze des Kabinetts rückt jetzt erstmals eine Frau.
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Seoul - Neue Ministerpräsidentin ist die 62-jährige Universitätspräsidentin Chang Sang. Nach dem Seegefecht mit Nordkorea im Gelben Meer vor zwei Wochen, bei dem vier Südkoreaner getötet worden waren, waren zunächst Rufe nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Kim Dong Shin laut geworden, schließlich stürzte das halbe Kabinett.

Nach einer Reihe von Finanzskandalen, in die zwei Söhne des Präsidenten verwickelt sind, soll die Umbildung jetzt auch dazu dienen, vor den für Dezember angesetzten Präsidentenwahlen verlorenes Vertrauen in die Regierung zurückzugewinnen. Die Skandale hatten zur Niederlage der regierenden Demokratischen Millenniumspartei (MDP) bei Kommunalwahlen im Juni beigetragen. "Wir haben reformorientierte Personen mit Sachkenntnis gewählt, um dem Wunsch der Bürger nach Stabilität und Effektivität in den Staatsgeschäften zu entsprechen", sagte Kims Chefsekretär Park Jie Won in Seoul.

Chang Sang sei zur Ministerpräsidentin ernannt worden, "da das 21. Jahrhundert eine Ära sein wird, in dem Frauen die Geschicke des Landes führen werden", sagte Park. Die Ernennung der bisherigen Präsidentin der größten Frauen-Universität in Seoul muss noch vom Parlament bestätigt werden.

Auch die Ressorts Justiz, Kultur und Tourismus, Information und Kommunikation, Seewesen und Fischerei sowie Gesundheit und Wohlfahrt wurden neu besetzt. Unberührt von der jüngsten Regierungsumbildung sind die Leiter der Schlüsselressorts Vereinigung, Finanzen und Wirtschaft sowie Außenpolitik.

Neuer Verteidigungsminister wird der frühere Armeegeneral und Vorsitzende des Verteidigungs-Reformausschusses, Lee Jun, 62. Die Opposition hatte nach dem Seegefecht im umstrittenen Grenzgebiet vor der Westküste am 29. Juni die Entlassung von Verteidigungsminister Kim gefordert, da die Marine nicht angemessen auf die Angriffe nordkoreanischer Schiffe reagiert habe.

Präsident Kim ist in seinem letzten von fünf Amtsjahren. Er kann laut Verfassung bei den Wahlen im Dezember nicht mehr kandidieren.

Der frühere Justizminister Kim Jung Kil kehrt auf diesen Posten zurück, den er zwischen Juni 1999 und Mai 2001 bereits innehatte. Der Vorsitzende der Korea Research Foundation, Kim Sung Jai, soll Kulturminister werden. Zum neuen Informationsminister wurde der frühere Vorsitzende der Telefongesellschaft KT, Lee Sang Chul, bestellt. Der Verwalter des öffentlichen Beschaffungsdienstes, Kim Sung Ho, wird neuer Gesundheitsminister. Der bisherige Minister des Büros für Regierungspolitik, Kim Ho Shik, soll künftig an der Spitze des Ministeriums für Seewesen stehen.