Experten-Bericht Syrien setzt systematisch Chlorgas als Waffe ein
Uno-Experte nimmt Proben: "Systematischer und wiederholter" Einsatz des toxischen Gases
Foto: AP/ United media office of ArbeenDen Haag - Syrien hat nach einem Bericht der Kontrollbehörde für Chemiewaffen Chlorgas als Waffe eingesetzt. Die Experten der Organisation hätten deutliche Beweise für den "systematischen und wiederholten" Einsatz des toxischen Gases gegen Dörfer im Norden Syriens zu Beginn des Jahres gesammelt, teilte die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) am Mittwoch in Den Haag mit.
Betroffen waren die Ortschaften Talmanes, al-Tamanah und Kafr Zeta. Die OPCW hatte die Experten im April beauftragt, Berichte über die Gasangriffe zu überprüfen. Die Symptome der Opfer und auch die medizinischen Berichte führten zu der Schlussfolgerung, "dass Chlor, entweder pur oder als Mischung" als Waffe eingesetzt wurde.
Chlorgas fällt nicht unter die von der Konvention verbotenen Chemiewaffen, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden darf. Allerdings ist der Einsatz als Waffe verboten. Syrien hatte sich im vergangen Jahr unter internationalem Druck bereit erklärt, alle seine Chemiewaffen zu vernichten. Chlorgas fiel jedoch nicht darunter.
Dutzende Zeugen befragt
Die OPCW darf sich nicht dazu äußern, wer das Chlorgas eingesetzt hat - dies ist nicht Teil ihres Syrien-Mandats. Allerdings bestehen keine Zweifel an der Täterschaft: Das Gas wurde in Kanistern aus Helikoptern abgeworfen. Das Regime von Baschar al-Assad ist die einzige Partei im syrischen Bürgerkrieg, die bisher Chemiewaffen und eine Luftwaffe besitzt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte Assads Armee bereits im Mai beschuldigt, für die Gasattacken verantwortlich zu sein. Mit dem Chlorgas terrorisiere die Regierung die Bevölkerung. Den Menschen werde das Gefühl gegeben zu ersticken. Die Regierung in Damaskus hatte stets abgestritten, hinter den Angriffen zu stecken.
Im Mai waren OPCW-Experten bei dem Versuch, einen der angegriffenen Orte zu besuchen, angegriffen worden. Deshalb seien Zeugen in einem sicheren Gebiet außerhalb des Landes befragt worden, teilte die Organisation mit. Die Experten hatten Dutzende von Opfern, Ärzten und Augenzeugen der Angriffe vernommen sowie zahlreiches Beweismaterial untersucht.
Dem OPCW-Bericht zufolge gibt es Berichte über neue Gasangriffe vom August.