Taliban: Wendehälse wittern Morgenluft - DER SPIEGEL
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Taliban Wendehälse wittern Morgenluft

Kaum ist die letzte Bastion gefallen, versuchen sich einige der Taliban als Wendehälse zu gerieren. Sie wollen bei der politischen Neustrukturierung des Landes kräftig mitmischen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kandahar - Bis vor wenigen Tagen war Kandahar noch ihre letzte verbliebene Bastion. Nachdem die Stadt militärisch gefallen ist und die Truppen der Anti-Taliban-Allianz eingerückt sind, versuchen nun offenbar viele der selbst ernannten Gotteskrieger, ihren Kopf zu retten.

Während Taliban-Chef Mullah Omar auf der Flucht ist, haben andere verkündet, sie hätten mit der Bewegung gebrochen. Unter ihnen sind auch einige hochrangige Führer der Taliban, die geholfen haben, dass das System über Jahre überleben konnte. Zu ihnen sollen neben drei Ministern auch der ehemalige stellvertretende Chef der Justiz gehören, die durch ihre grausame Rechtsauslegungen berüchtigt war.

Wie die Independent News berichten, erklärten die Taliban-Abtrünnigen, sie würden eine längst aufgelöste Partei neu beleben. Dabei handele es sich um die 1966 gegründete Khuddamul Furqan-Partei, die einige Jahre nicht aktiv gewesen sei, bis sie sich schließlich mit den Taliban zusammengeschlossen habe.

Präsident der wiederbelebten Partei soll nach Angaben der Taliban der religiöse Führer Pir Ahmed Amin Mojaddi werden, der seit den achtziger Jahren im Exil in Pakistan lebte.

Zu ihren politischen Bestrebungen erklärten die Taliban, dass sie auch an der traditionellen Ratsversammlung, der Loya Jirga, teilnehmen wollten, die in den nächsten sechs Monaten über die Zukunft des Landes beraten soll. Gleichzeitig machten sie klar, dass sie sich nicht mit einer Rolle als Beobachter zufrieden geben würden: Die Macht in Afghanistan, so ihre Forderung, müsse geteilt werden.

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