Atomkonflikt in Nahost: Angst vor Irans Bombe
Teherans Nuklearprogramm Atomstreit mit Iran spaltet die Welt
Berlin/Washington/Moskau - Im Atomstreit mit Iran erhöht der Westen den Druck auf das Regime in Teheran. Auch der Ton aus Deutschland wird immer schärfer: Angesichts von neuen Hinweisen auf eine militärische Dimension des iranischen Atomprogramms hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für noch schärfere Sanktionen ausgesprochen. "Ich wünsche mir, dass wir die diplomatischen Spielräume ausreizen, und dazu kann Deutschland seinen Beitrag leisten", sagte sie der "Leipziger Volkszeitung". "Es gibt eine ganze Reihe von Ländern auf der Welt, die militärische Optionen aus sehr grundsätzlichen Erwägungen nicht ausschließen." US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte einen Angriff zuvor als "letzten Ausweg" bezeichnet.
Den neuesten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), in dem von "glaubwürdigen" Hinweisen auf iranische Pläne zum Bau einer Atombombe die Rede ist, nannte Merkel "sehr besorgniserregend". Teheran spiele "offensichtlich nicht mit offenen Karten".
Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon setzt auf Gespräche, um die Situation zu entspannen. "Ich glaube fest daran, dass Verhandlungen und nicht militärische Lösungen der einzige Weg sind, diese Angelegenheit zu klären", sagte Ban in New York. Er nahm die Führung in Teheran in die Pflicht, die friedliche Natur ihres Atomprogramms zu beweisen.
Die IAEA hatte am Dienstag einen Bericht veröffentlicht, wonach Iran zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet hat. Der iranische Atomunterhändler Ali Bageri sagte nach Gesprächen in Moskau, die Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen. Insbesondere die USA würden "allerlei Gerüchte in Umlauf bringen". Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als existentielle Bedrohung.
Viele Deutsche in Sorge über Entwicklung in Iran
Auch in Deutschland wächst die Sorge über die Entwicklung in Teheran. 70 Prozent der Bürger stufen die atomare Aufrüstung Irans laut einer N24-Emnid-Umfrage als "ernsthafte Gefahr" ein. Nur ein Viertel der Befragten hält das Risiko für überschätzt. Allerdings fordern 83 Prozent, Deutschland solle sich im Kriegsfall neutral verhalten, 16 Prozent meinen, die Bundeswehr solle Israel gegen den Iran militärisch unterstützen.
Russland sieht weiterhin keinen Handlungsbedarf. Im Gegenteil: Trotz der immer hitzigeren Diskussion erklärte sich das Land grundsätzlich bereit, weitere Reaktoren im Iran zu bauen. Zugleich teilte das Außenministerium in Moskau mit, dass China und Russland gemeinsam für eine Verhandlungslösung mit Iran eintreten werden.
US-Verteidigungsminister Panetta warnte in Washington vor den "unbeabsichtigten Konsequenzen" eines Angriffs auf die iranischen Atomanlagen. Dieser könne gravierende Auswirkungen auf die Region und die dort stationierten US-Soldaten haben. Außerdem werfe ein Angriff das iranische Atomprogramm nur um höchstens drei Jahre zurück, meinte Panetta. Ein militärisches Vorgehen sollte deshalb der "letzte Ausweg" sein.
Meldung über Bombenlieferung in die Region
Während Panetta jedoch noch die Risiken eines Militärschlags skizzierte, will die US-Regierung nach einem Bericht der US-Tageszeitung "Wall Street Journal" offenbar bunkerbrechende Bomben an einen engen Verbündeten in der Golf-Region liefern. Demnach sollen die Vereinigten Arabischen Emirate 4900 dieser Bomben erhalten. Damit könnten aus der Luft unterirdische Bunker und Tunnel angegriffen werden, in denen Iran vermutlich Atomwaffen entwickle, berichtete das Blatt.
Die Führung in Teheran wird nach Einschätzung eines iranischen Experten weder durch schärfere Sanktionen noch durch Verhandlungen vom Streben nach Atomwaffen ablassen. "Wir werden nicht ein Jota von dem Weg abrücken, den wir eingeschlagen haben", hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Mittwoch im Staatsfernsehen erklärt.
Die Atomwaffen seien so etwas wie eine Lebensversicherung gegen einen Angriff aus dem Westen, sagte Mehdi Khalaji vom Institut für Nahost-Politik in Washington der israelischen Tageszeitung "Haaretz". Niemand in Iran denke seiner Meinung nach daran, Atombomben wirklich einzusetzen. Ziel sei es, eine Vormachtstellung in der Region zu erlangen.
Eine brisante Verbindung eines europäischen Landes zum Regime in Teheran meldete die Nachrichtenagentur Reuters am Freitagabend. Demnach deckt Griechenland inzwischen einen großen Teil seines Ölbedarf durch Lieferungen aus Iran. Diese sind zwar legal, mit Blick auf die drohenden Sanktionen aber durchaus heikel. "Die Griechen machen kein Geheimnis daraus, dass sie sich mit iranischen Lieferungen über Wasser halten. Die anderen Länder verkaufen ihnen in der jetzigen Lage einfach nichts mehr", zitiert Reuters einen Rohstoffhändler.