Teil II: "Osama, unser Held!" - DER SPIEGEL
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Teil II "Osama, unser Held!"

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Obwohl Musharraf in seiner Fernsehansprache gesagt hat, dass die USA bisher nur um Überflugrechte gebeten hätten, ist es seit den gescheiterten US-Raketenangriffen auf Afghanistan 1998 jedem klar, dass ein Luftangriff allein nicht reichen wird, um Osama Bin Laden und seine Anhänger aus "ihren Löchern auszuräuchern", wie George W. Bush es ausgedrückt hat.

Bin Laden hat sich im Süden Afghanistans versteckt und Washington weiß, dass es keinen besseren strategischen Partner und Ortskundigen in den schwer zugänglichen Bergpässen der Region geben kann, als den Schöpfer der Taliban: Pakistan.

Denn die Taliban-Bewegung wurde in den islamischen Religionsschulen Pakistans geboren. Auch die Waffen, die die Taliban angeblich diese Woche entlang ihrer internationalen Grenzen angehäuft haben, werden den Amerikanern bekannt vorkommen: Schließlich war es die CIA, die die ehemaligen Afghan-Mudschaheddin - unter ihnen viele der heutigen Taliban-Kämpfer - gegen die Sowjets ausgerüstet hatte.

Gut ausgebildet in Pakistan

Auch die Kriegsstrategie der Taliban wird niemanden überraschen, am wenigsten die Pakistaner, denn die pakistanische Armee hat die Taliban ausgebildet und diverse Male gemeinsam mit ihnen gekämpft. Viele der jetzigen Taliban-Kämpfer sind - so verlässliche Quellen - sogar Pakistaner. Inzwischen haben die Krieger ein Eigenleben entwickelt und suchen ihre Mentoren heim.

Der einzige Ausweg für Musharraf, der Wut der Hardliner zu entkommen, wäre ein Versprechen, dass er als Gegenleistung von den USA etwas "Wertvolles" verlangen wird. Wie etwa Unterstützung in der Frage über den zwischen Indien und Pakistan geteilten Staat Kaschmir, den Neu-Delhi aber für einen genauso wertvollen, integralen Bestandteil seines eigenen Territoriums hält.

Aber die Vereinigten Staaten suchen zurzeit Allierte, die schlicht "für" oder "gegen" ihr Vorhaben sind. Sie sind eindeutig nicht in der Stimmung, irgendwelche Konzessionen zu machen - am wenigsten einem armen, südasiatischen Staat.

Sollten die USA den pakistanischen Präsidenten dennoch zu einer von seinem Boden ausgehenden US-Truppenoffensive auf Afghanistan "überreden", steht für viele Experten ziemlich fest, dass dieser Schritt zuerst Zivilunruhen in Pakistan zur Folge hätte und dann - spätestens wenn die Amerikaner mit Bin Laden im Griff abgezogen sind - eine mögliche Eskalation des Konflikts in der bereits nuklearisierten Gesamtregion Südasien.

Musharrafs Gegner unter Waffen

Die wachsende Kluft zwischen den Fundamentalisten und der Militärregierung in Pakistan sei "sehr gefährlich", warnte ein politischer Redakteur einer führenden pakistanischen Tageszeitung im indischen Fernsehen, besonders weil die Hardliner gegen Musharraf selbst "bis zu den Ohren bewaffnet sind".

Anfang dieser Woche spielten sich anderswo schon fast vertraute Szenen ab: Hunderte von zerlumpten und müden afghanischen Familien, Töpfe und andere Haushaltsgüter auf ihren Köpfen tragend, wurden entlang der Grenze zu Pakistan von der Grenzpolizei in lange Schlangen gedrängt. Staubige, überladene Lkw warteten an den Grenzübergängen, überragt von fernen Bergen, deren felsige Spitzen an die atemberaubend schöne, aber völlig verwüstete Heimat erinnerten, die die Flüchtlinge hinter sich gelassen hatten. Sie alle sind ruiniert durch 22 Jahre Bürgerkrieg, verheerende Dürren und internationale Sanktionen. Niemand staunte über die Ankunft der Hunderttausenden Flüchtlinge entlang der 2430 Kilometer langen und an vielen Stellen unüberwachten afghanisch-pakistanischen Grenze.

1,2 Millionen Afghanen leben in Flüchtlingslagern

Obwohl sie dieses Mal vor dem erwarteten amerikanischen Vergeltungsschlag flüchten, werden auch diese staatenlos gewordenen Familien in den bereits überfüllten Zeltlagern in Pakistan unterkommen, wo bereits 1,2 Millionen ihrer Landsleute seit Jahren leben.

Die neuen Ankömmlinge werden zweifellos die bereits strapazierten Ressourcen der pakistanischen Regierung und die der diversen internationalen Hilfsagenturen stark belasten.

Nach der Evakuierung Afghanistans werden viele ausländische Diplomaten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen auch Pakistan verlassen. Staaten wie Deutschland haben bereits vor Reisen ins Land gewarnt. In Afghanistan und in den Flüchtlingslagern in Pakistan droht eine ernsthafte humanitäre Krise, aber unter den islamischen Hardlinern scheint das im Moment niemanden weiter zu beschäftigen.

"Osama lebt nicht in Afghanistan", sagte ein Demonstrant in Peschawar am Mittwoch und schlug gleichzeitig seine Hand auf seine Brust. "Er lebt hier - in unseren Herzen."

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