Terror in Nahost: Islamischer Dschihad bekennt sich zu Anschlag in Tel Aviv - DER SPIEGEL
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Terror in Nahost Islamischer Dschihad bekennt sich zu Anschlag in Tel Aviv

Die Extremistenorganisation Islamischer Dschihad hat sich zu dem Terroranschlag in Tel Aviv bekannt, bei dem ein Selbstmordattentäter vier Menschen mit in den Tod riss und 50 weitere verletzte. Mit einer Videobotschaft kündigte die Organisation ihren Kampf gegen die palästinensische Autonomiebehörde an.
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Tel Aviv - Mahmud Abbas geißelte den Bombenanschlag von Tel Aviv als einen Versuch, den Friedensprozess mit Israel zu sabotieren. Zunächst war nicht klar, welche der Terrororganisationen für den Anschlag verantwortlich war.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks veröffentlichte der Islamische Dschihad eine Videobotschaft, in der die radikale Bewegung mitteilt, die palästinensische Autonomiebehörde werde dasselbe Schicksal ereilen wie einst die Südlibanesische Armee. Diese mit Israel verbündete Miliz war nach dem Abzug der Israelis aus dem Südlibanon im Jahr 2000 aufgerieben worden. Auf dem Video spricht der Attentäter selbst, bevor er sich in Tel Aviv in die Luft sprengte.

Dann meldete sich ein ranghohes Mitglied des Islamischen Dschihad in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu Wort. Er übernahm die Verantwortung für den Anschlag von Tel Aviv. Ein Anrufer aus Libanon, der sich selbst als Anführer des Dschihad mit Namen Abu Tarik vorstellte, hatte Medien in Damaskus mitgeteilt, die mit der Autonomiebehörde vereinbarte einmonatige Waffenruhe sei beendet. Israel habe sich nicht an die Vereinbarung gehalten. Das sei der Hauptgrund für "diese Operation", sagte der Anrufer.

Frühere anonyme Bekenneranrufe hatte die Palästinenserorganisation dementiert. Nach dem Anschlag vom Freitagabend, bei dem ein Selbstmordattentäter vier Menschen mit in den Tod gerissen und rund 50 verletzt hatte, gab es Festnahmen durch die palästinensischen Sicherheitskräfte. Nach Angaben des palästinensischen Innenministers Nasser Jussuf gehören die Festgenommenen dem Dschihad an. Möglicherweise handelt es sich um zwei Brüder des Selbstmordattentäters und den Imam ihres Dorfs Deir al-Ghusun, das nördlich der Stadt Tulkarem liegt. Die israelischen Streitkräften ordneten ein Ausgehverbot für die Bevölkerung des Orts an.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte erklärt, hinter dem Anschlag stecke eine nicht näher bezeichnete "dritte Partei".

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira hatte am Mittag unter Berufung auf palästinensische Sicherheitskreise berichtet, die schiitische Extremistenorganisation Hisbollah stecke hinter der tödlichen Attacke in Tel Aviv. Die Meldung wurde jedoch schon wenige Minuten später von einem Sprecher der Hisbollah dementiert.

Auch andere militante Organisationen hatten die Verantwortung für den Anschlag abgelehnt. Sprecher der Hamas und der al-Aksa-Brigaden erklärten, dass sie nichts mit dem Anschlag zu tun hätten. Dies hatte zunächst auch der Islamische Dschihad getan.

Schon wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv hatten israelische Truppen am Samstag fünf Personen festgenommen und den Täter identiziert. Es handelt sich um einen 21-jährigen Studenten aus dem Westjordanland, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete.

Es war der erste Selbstmordanschlag seit Ausrufung der Waffenruhe nach dem israelisch-palästinensischen Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich Anfang des Monats. Anfang November vergangenen Jahres hatte sich ein Attentäter auf einem Markt in Tel Aviv in die Luft gesprengt und drei Israelis mit in den Tod gerissen.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas kündigte nach einer Krisensitzung eine entschlossene Fahndung nach den Hintermännern an und erklärte: "Die palästinensische Regierung wird angesichts dieses Sabotageakts nicht ruhig bleiben." Die Verantwortlichen würden aufgespürt und ihrer Strafe zugeführt", versprach Abbas. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat sagte: "Wer auch immer dahinter steckt, ist entschlossen, alle Bemühungen zur Erneuerung des Friedensprozesses zu sabotieren." Diese Kräfte dürften keinen Erfolg haben.

Der Selbstmordattentäter hatte vor der Diskothek "Stage" nahe der Strandpromenade von Tel Aviv eine mit Metallsplittern versetzte Bombe gezündet - inmitten einer Gruppe von 20 bis 30 jungen Leuten, die auf Einlass warteten. Die Wucht der Detonation beschädigte die Vorderfront des Nachtklubs. Auch gingen die Fenster mehrerer Gebäude in der Nachbarschaft zu Bruch.

Als sich der Täter dem Eingang genähert habe, seien Wachleute auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihm den Eintritt verwehrt, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, David Tsur. So sei eine noch größere Tragödie verhindert worden.

Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Gideon Esra, rief die Palästinenser auf, mehr zu tun, um solche Anschläge zu stoppen. Zugleich kündigte er aber an, dass die Kontakte mit den Palästinensern fortgesetzt würden.

In Washington erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice, jetzt sei es wichtig, dass die palästinensische Führung sofortige glaubwürdige Schritte zur Fahndung nach den Tätern einleite. "Wir müssen jetzt Aktionen sehen, die die klare Botschaft enthalten, dass Terror nicht geduldet wird", sagte Rice.

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