Terrorismus Milliardenklage gegen Saudi-König
Krisenklausur am Genfer See. Obwohl er bereits sechs Wochen in der Ufergemeinde Collonge-Bellerive am Genfer See residiert, macht Saudi-Arabiens Herrscher Fahd keine Anstalten, seinen Schweizer Palast "Villa Morgendämmerung" zu verlassen. Während sein Hofstaat mit 300 angemieteten Mercedes-Limousinen in das nahe Genf zum Shoppen in Juweliergeschäften und Designerboutiquen ausschwärmt, muss sich der König gegen schwere Vorwürfe verteidigen und hat dafür eigens seinen Innenminister und Chef des Geheimdienstes, Prinz Naif Ibn Abd al-Asis, einfliegen lassen. Fieberhaft arbeitet der an einer Strategie, die Fahd vor einem Debakel schützen soll. Gefahr droht von einer Klage, die der amerikanische Staranwalt Don Motley in den USA gegen das saudische Königshaus anstrengt. Motley wirft den Öl-Herrschern "passive Komplizenschaft" vor: Zumindest indirekt hätten der König und dessen Prinzen-Regime zur Zerstörung des New Yorker World Trade Center und des Washingtoner Pentagon beigetragen durch Gelder, die an das Netzwerk des Terroristenführers Osama Bin Laden gezahlt worden seien. Motley vertritt knapp 100 Familien, die bei den Angriffen am 11. September Angehörige verloren. Als Entschädigung will der Anwalt mehrere Milliarden Dollar von den Saudis einfordern.
Um den Anschuldigungen Motleys zu begegnen und Washington wieder für sich zu gewinnen, gab der saudische Geheimdienst am 17. Juni die Verhaftung von 13 Islamisten im Königreich bekannt, die aus Afghanistan zurückgekehrt waren. Obgleich der schwer kranke Fahd in seinem Schweizer Domizil als ausländisches Staatsoberhaupt Immunität genießt, könnte Jurist Motley ihm zumindest gewaltigen finanziellen Schaden zufügen. Wie erfolgreich der prominente Anwalt sein kann, hat er mit einer Klage gegen die US-Tabakindustrie bewiesen. Weil Rauchen die Gesundheitssysteme aller 50 Bundesstaaten belastet, erstritt Motley 246 Milliarden Dollar Schadensersatz.