Terrorismus Neue Bin-Laden-Videos entdeckt
Brüssel - "Wenn wir uns die Zerstörung ansehen, die sie in den USA verursacht haben, können wir uns ausmalen, was sie in New York oder London oder Paris oder Berlin mit nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen anrichten können", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Dienstag bei einem Treffen mit seinen Nato-Ressortkollegen in Brüssel.
"Wir müssen uns der Realität stellen, dass die Anschläge vom 11. September - schrecklich wie sie waren - einen düsteren Ausblick auf das geben, was kommen kann, wenn wir uns nicht schon heute darauf vorbereiten, unsere Bevölkerung vor Gegnern mit immer mächtigeren Waffen zu schützen", sagte Rumsfeld. In diesem Zusammenhang verteidigte er die Kündigung des ABM-Vertrags durch die USA. Der Vertrag hätte die USA daran gehindert, sich beispielsweise mit der geplanten Raketenabwehr gegen den Terrorismus wirksam zu schützen.
Vize-Generalstabschef Peter Pace gab am Dienstag in Washington bekannt, dass US-Soldaten in Unterkünften von al-Qaida-Mitgliedern in Afghanistan Bauanleitungen für konventionelle Bomben und Bio-Waffen haben. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass Osama Bin Laden und Gefolgsleute tatsächlich derartige Waffen gebaut hätten. Außerdem wurden weitere Videobänder von Bin Laden gefunden. Die Bänder müssten noch ausgewertet werden, hieß es. Noch sei unklar, wie aussagekräftig sie seien.
Die Nato berät zurzeit, wie sie sich langfristig auf die neuen Gefahren einstellen kann. Generalsekretär George Robertson betonte, die Nato müsse angesichts der neuen Bedrohung ihre Konzepte und Fähigkeiten überdenken. Zudem müsse mehr Geld bereitgestellt werden.
"Man kann die Verteidigung nicht auf die billige Tour bekommen." Zugleich sei durch die neue Bedrohung die Notwendigkeit entstanden, enger mit Russland zusammenzuarbeiten und das Verhältnis auf eine neue Grundlage zu stellen. Am Nachmittag berieten die Nato-Minister darüber mit ihrem russischen Kollegen Sergej Iwanow.
Laut Robertson wurde bei den Beratungen der Minister nicht darüber gesprochen, den Kampf gegen den Terror militärisch über Afghanistan hinaus in andere Länder zu tragen. Rumsfeld betonte allerdings, es gebe eine Reihe von Staaten, die den Terrorismus tatkräftig unterstützten und die zugleich im Besitz von Massenvernichtungswaffen seien. Zu den Unterstützern der Organisation al-Qaida etwa gehörten Sudan und Jemen.