Terroristen-Jagd: Wo steckt Bin Laden? - DER SPIEGEL
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Terroristen-Jagd Wo steckt Bin Laden?

Über den Aufenthaltsort des Terroristenführers jagen sich wilde Spekulationen. Nach iranischen TV-Berichten flüchtet Bin Laden Richtung Pakistan, die Nordallianz vermutet ihn in der belagerten Stadt Kundus. Die Taliban erklären, er sei aus Afghanistan verschwunden.
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Duschanbe/Chaman/Teheran - Über den Aufenthaltsort des meistgesuchten Terroristen der Welt gibt es bisher nur Vermutungen. Nach Angaben des Taliban-Vertreters in Pakistan, Abdul Salam Saif, sei Osama bin Laden aus Afghanistan abgezogen. Wo er nun sei, wisse er nicht: "Osama hat Afghanistan mit seinen Kindern und seinen Frauen verlassen, und wir haben keine Ahnung, wohin er gegangen ist", erklärte der Taliban-Gesandte der Nachrichtenagentur AP im pakistanischen Chaman.

Nach Angaben aus Kreisen der Nordallianz dagegen verberge sich bin Laden mit seinen besten Kämpfern im belagerten Kundus, der einzigen Stadt im Norden des Landes, die noch von den Taliban gehalten wird.

Das iranische Fernsehen verkündet wiederum, die USA wollten den Terroristenführer an der Grenze zu Pakistan in die Enge treiben. Wie das Staatsfernsehen am Samstag unter Berufung auf afghanische Quellen berichtete, bewegen sich bin Laden und Mitglieder seines Terrornetzwerks El Kaida in Südostafghanistan in den Filkuh-Bergen in Richtung auf die pakistanische Grenze.

Dort lägen aber US-Spezialeinheiten auf der Lauer. Auch Pakistan hat seine Truppen im südwestlichen Landesteil um 3000 Soldaten verstärkt, um ein Einsickern flüchtender Talibankämpfer zu verhindern.

Die Taliban haben nach Meldungen der afghanischen Agentur AIP jetzt auch die an Iran grenzende Provinz Farah aufgegeben. Von den Taliban gehalten würden nur noch die Südprovinzen Helmand und Kandahar. In Farah sei es nach dem Abzug der Talibanmilizen zu Machtkämpfen zwischen rivalisierenden lokalen Gruppen und Plünderungen gekommen.

In der ebenfalls von den Taliban aufgegebenen Stadt Dschalalabad nahe der pakistanischen Grenze beraten laut AIP frühere Kriegsherren der Mudschahedin-Milizen über die Einsetzung eines neuen Gouverneurs. Um das Amt rivalisierten mehrere Mudschahedin-Führer der so genannten Östlichen Schura, die dort vor der Eroberung durch die Taliban 1996 das Sagen hatten.

Unterdessen sei die Schlacht um die Stadt Kundus am Samstagmorgen wieder aufgeflammt, teilte ein Diplomat der afghanischen Botschaft in Tadschikistan nach Angaben der Agentur Interfax mit. Die Taliban ließen ein Ultimatum der Nordallianz, sich bis Freitagabend zu ergeben, verstreichen.

Zu den Taliban-Kämpfern in Kundus zählten besonders viele Söldner aus arabischen Ländern oder Pakistan sowie Anhänger der Islamischen Bewegung Usbekistans und moslemische chinesische Uiguren, sagte der namentlich nicht genannte afghanische Diplomat in Duschanbe. Die große Zahl der ausländischen Extremisten deute darauf hin, dass sie einen Spezialauftrag zu erfüllen hätten wie zum Beispiel den, Bin Laden zu beschützen.

Die Nordallianz schätzte die Zahl der Taliban in Kundus auf bis zu 20.000. US-Berichte sprachen dagegen von 2000 bis 3000.

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