Terrorpiloten: Operation aus der "Stadt der Sünde" - DER SPIEGEL
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Terrorpiloten Operation aus der "Stadt der Sünde"

Über die Planung der Anschläge von New York und Washington kommen immer neue Details ans Licht. Terrorpilot Mohammed Atta und seine Mittäter trafen sich zur Feinabstimmung ihrer Attacken in der Spielerstadt Las Vegas.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Fast zwei Monate nach den Schlägen auf das World Trade Center und das Pentagon ist die Zeit, die die 19 Attentäter in den USA verbrachten nahezu vollständig untersucht. Die Ermittler gehen nach Informationen der "New York Times" davon aus, dass die Terroristen in genau definierten Aufgabenfeldern operierten.

Es gab eine Führungsebene mit dem mutmaßlichen Gehirn der Aktion, Mohammed Atta, und drei weiteren Anführern. Sie bestimmten den Zeitpunkt der Anschläge und flogen die entführten Maschinen. Ferner gab es eine so genannte Unterstützerebene. Darunter drei Leute, die vor allem logistische Aufgaben übernahmen. Sie mieteten Appartements an, sorgten für Führerscheine und verteilten das Geld an die vier Einsatzkommandos, welche die Flugzeuge entführten. Während der Entführungen waren diese drei und die restlichen zwölf "Soldaten" dafür zuständig, an Bord die Crew und die Passagiere in Schach zu halten.

Damit die Koordination zwischen den Anführern funktionierte, kommunizierten die Terroristen über das Internet. Sobald es allerdings zu wichtigen Unterredungen kam, folgten sie den Anweisungen des al-Quaida-Handbuchs für terroristische Operationen: Sie trafen sich persönlich. Als Ort für ihre Geheimtreffen wählten sie Las Vegas. Dort fielen offenbar die wichtigsten Entscheidungen, die zu den Anschlägen führten.

Atta und die anderen Köpfe der Terrorschläge verhielten sich in der "Stadt der Sünde" offenbar nicht wie übliche Konferenz- und Geschäftsleute, die gewöhnlich in den Casino-Hotels rumhängen. Die Attentäter stiegen in einem schäbigen Motel ab gleich neben dem "Home of the $ 5 Lap Dance". In dem Billig-Motel konnten sie sicher sein, dass sie nicht von der Videoüberwachung erfasst wurden. Sie hielten sich nur kurz dort auf, nur so lange, wie sie brauchten, um die wichtigsten Informationen auszutauschen. Offenbar besuchten sie keine Casinos oder irgendwelche Lasterhöhlen.

Im Mai, rund drei Monate bevor sie zuschlugen, begannen die Attentäter damit, von der Ost- an die Westküste zu fliegen, um die Gegebenheiten an Bord auszukundschaften. Nach jedem Flug an die Westküste flogen sie nach Las Vegas weiter. Wie bei den Flügen am 11. September flogen die Attentäter auch bei den Continentalflügen Erste Klasse.

Wie viele Treffen es genau gab und wie sie abliefen, ist den Ermittlern angeblich noch nicht klar. Ihnen gelang es nur in einem einzigen Fall zu rekonstruieren, wer sich wann mit wem getroffen hat. Unklarheit herrscht auch über die Frage, warum sich die Verschwörer ausgerechnet in der Spielerstadt in der Wüste getroffen haben. Ein höherer Beamter sagte, die Männer seien offenbar den Anweisungen des Handbuchs gefolgt, das dazu rät, sich an Orten zu treffen, wo man nicht auffällt.

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