Terrorpropaganda: Al-Qaida recycelt Bin-Laden-Rede zum Karikaturenstreit - DER SPIEGEL
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Terrorpropaganda Al-Qaida recycelt Bin-Laden-Rede zum Karikaturenstreit

"Die Abrechnung wird schwer sein": Al-Qaidas Propagandaabteilung hat eine Rede von Osama Bin Laden zum Karikaturenstreit veröffentlicht. Neu ist allerdings nicht der Inhalt, sondern der deutsche Untertitel. Die Ansprache war auf Arabisch bereits im März 2008 publiziert worden.
Von Yassin Musharbash
Terrorchef bin Laden (undatiertes Foto): Neues Signal al-Qaidas an Deutschland?
Terrorchef bin Laden (undatiertes Foto): Neues Signal al-Qaidas an Deutschland?

Terrorchef bin Laden (undatiertes Foto): Neues Signal al-Qaidas an Deutschland?

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS
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Berlin - Das Terrornetzwerk al-Qaida hat eine über ein Jahr alte Rede von Osama Bin Laden am Dienstag ein zweites Mal veröffentlicht, dieses Mal allerdings mit deutschen Untertitel. In der gut fünf Minuten langen Ansprache, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, droht der Qaida-Chef Vergeltung für die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen an: "Wenn eure Freiheit der Rede keine Regeln hat, dann öffnet eure Herzen für die Freiheit unserer Taten."

Diese Rede ist allerdings nicht neu. Sie wurde von al-Qaida erstmals am 19. März 2008 veröffentlicht, damals nur auf Arabisch. Die Neu-Veröffentlichung am Dienstagmorgen unterscheidet sich nur durch die Ergänzung deutscher Untertitel von der ersten Version.

Es kommt öfter vor, dass al-Qaida und ihre Propagandaabteilung Reden wichtiger Ansprachen zunächst in einer Sprache und dann in weiteren Sprachen veröffentlichen. So etwa, wenn sich Bin Ladens Vize zu Pakistan äußert: Mehrfach liefen solche Reden zunächst auf Englisch, dann Tage später auch mit einer Übersetzung ins Urdu.

Normalerweise vergehen aber nicht mehrere Monate, bis eine solche Übersetzung angefertigt wird. Außerdem werden die nachgereichten Übersetzungen in der Regel nicht mehr so prominent auf den dschihadistischen Websites platziert wie die Originale.

Dass beides in diesem Fall anders ist, nährt einen Verdacht: Die nun recycelte Bin-Laden-Rede soll offenbar als ein weiteres Signal al-Qaidas an Deutschland aufgefasst werden. Im September hatte al-Qaida in Person des Bonner Islamisten Bekkay Harrach ja bereits ausdrücklich Anschläge in Deutschland angekündigt. So würde sich die neue, alte Bin-Laden-Rede in den Propagandafluss einfügen.

Deutsche Sicherheitsbehörden halten die Gefahr eines solchen Anschlages in Deutschland nach wie vor für erhöht, haben aber bisher keine entsprechenden Vorbereitungshandlungen beobachten können.

Inhaltlich ist das wiederverwertete Bin-Laden-Video derweil nicht besonders interessant. Es enthält neben Vergeltungsdrohungen vor allem die Klage über Kriegsverbrechen westlicher Staaten in Afghanistan. Deutschland wird nicht namentlich erwähnt.

Zuletzt hatte sich Osama Bin Laden Ende September ausdrücklich an die Europäer gewandt.