Tibet: Proteste flammen erneut auf - DER SPIEGEL
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Tibet Proteste flammen erneut auf

Tibet kommt nicht zur Ruhe: Tage lang hatten Sicherheitskräfte in Lhasa Demonstrationen unterdrückt. Am Samstag schließlich entlud sich dann der Druck - Tausende versammelten sich zu anti-chinesischen Protesten. Polizei und Militär riegelten die Hauptstadt ab.
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Peking - Die Rechtfertigung für das energische Vorgehen lieferte die chinesische Regierung selbst: Die Polizei habe in einem Kloster im Südwesten des Landes Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. 26 "Verdächtige" seien festgenommen worden, hieß es in der am späten Samstagabend verbreiteten Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Tibetische Mönche des Geerdeng-Klosters in Aba in der Provinz Sichuan hatten Mitte des Monats in Tibets Hauptstadt Lhasa Regierungsgebäude angegriffen.

Die Polizeiaktion gilt als Reaktion auf die erneuten Proteste, die gestern vor dem Ramoche-Kloster begonnen hatten. "Viele Menschen" seien daran beteiligt gewesen, berichtete Kate Saunders von der in Washington ansässigen Internationalen Kampagne für Tibet unter Berufung auf Augenzeugen. Nach einigen Stunden habe sich die Lage wieder beruhigt. Sie habe keine Informationen über Verletzte oder Festnahmen. Es scheine sich um größere Proteste zu handeln, bestätigte auch ein Sprecher des Dalai Lama. Sie stünden wohl im Zusammenhang mit dem Aufenthalt einer Gruppe ausländischer Diplomaten in Lhasa.

Das Kloster war bereits bei den schweren Unruhen am 14. März der Ausgangspunkt der Proteste. Auch am Jokhang-Kloster in Lhasa soll es eine Demonstration gegeben haben, wie die tibetische Exilregierung meldete.

Der Sender Radio Free Asia berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von mehreren hundert Teilnehmern an den Protesten. Es habe Handgemenge gegeben. "Die Leute rannten in alle Richtungen", wurde ein weiterer Augenzeuge zitiert. "Es war ein riesiger Aufruhr. Die Leute schrien." Die Klöster Ramoche und Jokhang sind Saunders zufolge abgeriegelt.

Die chinesische Regierung hatte am Samstag einen Kurzbesuch von internationalen Diplomaten in Lhasa organisiert, denen sie ihre Sicht der Vorfälle vor zwei Wochen erläuterte. Eine ähnliche Reise für Journalisten am Donnerstag hatten etwa 30 Mönchen genutzt, um vor der Weltöffentlichkeit Religionsfreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu fordern.

Die anti-chinesischen Proteste in Tibet hatten am 10. März begonnen und waren in den folgenden Tagen eskaliert. Bei den Unruhen wurden nach Angaben tibetischer Exilorganisationen mindestens 135 Tibeter getötet. Der chinesischen Führung zufolge töteten die Unruhestifter 18 Zivilisten und zwei Polizisten.

mik/AFP/AP/Reuters

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