Tiflis Erste Schüsse bei Massendemonstration
Tiflis - Bis zu 20.000 Demonstranten versammelten sich am Freitag vor dem Parlament in Tiflis und forderten Schewardnadses Rücktritt. Anschließend zogen sie vor den Sitz der Wahlkommission und in Richtung Parlament.
Westliche Journalisten berichten, am Stadtrand seien ab und an Schüsse zu hören, Tausende von Oppositionellen würden gewaltsam daran gehindert, ins Stadtzentrum zu gelangen.
Auslöser der seit eineinhalb Wochen andauernden Proteste ist der Vorwurf an die Regierung, das Ergebnis der Parlamentswahl vom 2. November manipuliert zu haben.
Die derzeitige Lage könne leicht zu einem Bürgerkrieg eskalieren, warnte Schewardnadse, und forderte die Bevölkerung auf, sich nicht an den Demonstrationen zu beteiligen. Solange er gewählter Präsident des Landes sei, werde er nicht zurücktreten, bekräftigte der 75-Jährige und fügte mit Blick auf die von Demonstranten in Belgrad und Bukarest erzwungenen Umstürze hinzu: `Ich werde nicht das Schicksal Milosevics oder Ceausescus teilen."
Er sei zu Gesprächen mit den Oppositionsführern bereit, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, sagte Schewardnadse wenige Stunden vor Beginn der Demonstration. Er werde es jedoch nicht zulassen, dass Georgien zerfalle. Ein Rücktritt zum derzeitigen Zeitpunkt wäre `unverantwortlich". `Georgien muss die Krise überwinden, und ein neues Parlament muss die Arbeit aufnehmen", sagte er vor Journalisten.
Oppositionsführer Michail Saakaschwili hingegen appellierte an "ganz Georgien", sich den Kundgebungen anzuschließen. `Es gibt keine Alternative zu Schewardnadses Rücktritt", sagte Saakaschwili, der Parteichef der Nationalen Bewegung ist. Er bezeichnete den Präsidenten als Feigling. Zugleich rief er die Demonstranten auf, sich friedlich zu verhalten.
Knapp zwei Wochen nach der Parlamentswahl gibt es immer noch kein amtliches Endergebnis. Die Schewardnadse nahe stehende Partei Für ein neues Georgien hat nach vorläufigen Ergebnissen als stärkste Kraft einen Anteil von etwa 20 Prozent. Die Nationale Bewegung und die ebenfalls in der Opposition stehende Partei der Demokraten wirft der Regierung vor, die Ergebnisse zu Gunsten der Partei Für ein neues Georgien gefälscht zu haben.