Todesdrohung im Irak Raffarin beruft Krisengipfel ein
Bagdad/Paris - Frankreich hat seine Bemühungen um eine Freilassung der beiden Männer verstärkt. Die Regierung werde zur Rettung der beiden Männer alle Hebel in Bewegung setzen, sagte Kulturminister Renaud Donnedieu dem Fernsehsender LCI.
Die Entführer verlängerten ihr Ultimatum für die Rücknahme des Kopftuchverbots an staatlichen Schulen bis heute Abend, wie der Fernsehsenders al-Dschasira berichtete. In einer Videoaufzeichnung appellierte eine der Geiseln an Präsident Jacques Chirac, sich den Forderungen der Kidnapper zu beugen.
Das Verbot von Kopftüchern solle aufgehoben werden, sagte Christian Chesnot in einem al-Dschasira-Video, das in der vergangenen Nacht ausgestrahlt wurde. Sein Kollege Georges Malbrunot sagte: "Ich appelliere an das französische Volk, auf die Straße zu gehen, weil unser Leben in Gefahr ist." Paris hat jedoch betont, das Kopftuchverbot werde wie vorgesehen zum neuen Schuljahr in Kraft treten.
Der französische Außenminister bemühte sich am zweiten Tag seiner Nahostreise in Jordanien um die Freilassung der Geiseln.
Die Entführung der Journalisten wurde auch von Politikern und Religionsvertretern im Nahen Osten kritisiert. In einem von al-Dschasira ausgestrahlten Bericht äußerten sich unter anderem der palästinensische Präsident Jassir Arafat und der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit. Auch ein Vertrauter des radikalen schiitischen Geistlichen Muktaka al Sadr, Ali al Jasiri, verurteilte die Entführung als unmenschlich und unmoralisch". Er forderte die sofortige Freilassung der beiden Journalisten.
Der oberste schiitische Geistliche im Libanon verurteilte die Geiselnahme als Verstoß gegen die Prinzipien des Korans. Die Geiselnahme mit dem Kopftuchverbot in Frankreich in Zusammenhang zu bringen, schade dem Ansehen des Islams, sagte Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah.
Zu den Gruppen, die gegen die Entführung protestierten, zählen auch Islamisten-Organisationen, die in den vergangenen Monaten Demonstrationen gegen das Kopftuchverbot in französischen Schulen organisiert hatten. Die in Ägypten verbotene Muslimbruderschaft erklärte, die beiden Journalisten hätten nichts mit dem Kopftuch-Gesetz zu tun.
Zwischen Paris und Bagdad herrschte wegen des Geiseldramas diplomatische Verstimmung. Der irakische Übergangsministerpräsident Ijad Allawi rief Frankreich auf, sich wie die USA dem Kampf gegen das Böse im Irak zu stellen. "Der Konfrontation auszuweichen ist keine Lösung", sagte Allawi "Le Monde". Das französische Außenministerium nannte Allawis Worte unannehmbar. "Allawi scheine die Entschlossenheit Frankreichs im Kampf gegen den Terrorismus in Zweifel zu ziehen".