Todesstrafe: US-Geschworene misstrauen eigenem Urteil - DER SPIEGEL
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Todesstrafe US-Geschworene misstrauen eigenem Urteil

Gary Graham, 39, soll am Donnerstag im US-Bundesstaat Texas zu Tode gespritzt werden. Doch nun zweifeln offenbar einige der Geschworenen an ihrem finalen Urteilsspruch. Gouverneur George W. Bush, der die Exekution stoppen könnte, zeigt sich von zunehmenden Protesten bislang wenig beeindruckt.
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Washington - Graham war auf Grund einer einzigen Zeugenaussage wegen eines 1981 begangenen Raubmordes im texanischen Houston verurteilt worden. Sechs andere Zeugen, die ihn bei Gegenüberstellungen nicht identifiziert hatten oder andere Täterbeschreibungen gaben, waren im Laufe des Prozesses gar nicht erst gehört worden - Grahams Verteidiger hatte darauf schlicht verzichtet.

Wie der Nachrichtensender CNN am Mittwoch meldete, erklärten nun drei der Juroren schriftlich, dass ihre Meinung in dem Fall eine andere gewesen wäre, hätten sie damals die Informationen gehabt, die ihnen heute bekannt sind. So hatten etwa zwei Zeugen angegeben, dass Graham keine Ähnlichkeit mit dem Mann habe, den sie damals bei dem Überfall beobachteten.

Möglicherweise könnte der Zweifel der Geschworenen nun die Urteilsvollstreckung beeinflussen, die für Donnerstag 18 Uhr Ortszeit angesetzt ist. Texas' Gouverneur George W. Bush, der über ein Gnadengesuch entscheidet, streifte jedoch vorsorglich die Verantwortung ab. Er werde nur auf Empfehlung des 18-köpfigen Begnadigungsausschusses handeln. Seit Bushs Amtsantritt vor fünf Jahren sind in Texas 134 Menschen hingerichtet worden. In dieser Zeit wurden 67 Gnadengesuche abgelehnt und nur eines befürwortet. Der Ausschuss setzte nun die Entscheidung über die Aussetzung des Urteils auf Donnerstagmittag an.

US-Bürgerrechtsführer Jesse Jackson kündigte aus Protest seine Teilnahme an der Exekution an und forderte den republikanischen Präsidentschaftskandidat Bush auf, es ihm gleich zu tun: "Schauen Sie sich Ihr Opfer an. Haben Sie den Mut, den Knopf zu drücken." Die Amnesty-International-Aktivistin Bianca Jagger sagte auf einer Protestveranstaltung in Houston: "Wenn Graham hingerichtet wird, ist das wie ein öffentliches Lynchen im Mittelalter.