Tonband-Botschaft Poesie des Terrors
Dubai - Nur einen Tag nach der im arabischen Fernsehen gesendeten Tonaufnahme von Qaida-Chef Osama bin Laden ist eine Nachricht seines Stellvertreters Aiman al-Sawahiri aufgetaucht. Die Aufnahme wurde am Freitagabend auf einer wenig bekannten Internet-Site veröffentlicht. Die Nummer Zwei des Terrornetzwerks al-Qaida lobt darin die Arbeit von islamistischen Kämpfer in Afghanistan. Eine Sprecherin des US-Geheimdienstes CIA bestätigte, dass es sich bei der Stimme auf dem Tonband um die von al-Sawahiri handele. Allerdings war unklar, von wann die 17-minütige Aufnahme stammt.
In der Aufnahme rezitiert al-Sawahiri auch ein Gedicht mit dem Titel "Tränen in den Augen der Zeit". Es taucht auf zahlreichen islamistischen Internetseiten auf und würdigt die "Märtyrer", die bei dem Angriff der "Kreuzritter" auf Afghanistan ums Leben gekommen seien. Bereits im Januar war eine Nachricht von al-Sawahiri aufgetaucht. Darin hatte er erklärt, dass der geplante Abzug der USA aus dem Irak den Sieg der Moslems über die USA bedeute.
Die beiden al-Qaida-Führungskräfte Bin Laden und al-Sawahri sind den USA bei ihrer Suche nach Terroristen bislang nicht ins Netz gegangen. Erst vor rund einer Woche ist ein gezielter Angriff der US-Streitkräfte auf al-Sawahiri möglicherweise gescheitert. Bei der Attacke auf ein pakistanisches Dorf an der Grenze zu Afghanistan starben mehrere Menschen.
Al-Sawahiri soll US-Angriff überlebt haben
Al-Sawahiri war aber offenbar nicht darunter. Der pakistanische Ministerpräsident Shaukat Aziz erklärte am Freitagabend bei einem Besuch der Vereinten Nationen in New York, es gebe keine handfesten Beweise dafür, dass unter den Toten auch ranghohe Qaida-Funktionäre gewesen seien.
Am Donnerstag war aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautet, unter den Toten befänden sich mindestens vier ausländische Terroristen, darunter der aus Ägypten stammende Sprengstoffexperte Midhat Mursi alias Khabab al-Masri. Die Leichen seien vermutlich von al-Qaida-Anhängern weggeschafft worden. Al-Sawahiri soll aber unversehrt geblieben sein.
Qaida-Chef bin Laden hatte in seiner am Donnerstag ausgestrahlten Nachricht den USA mit neuen Angriffen gedroht. Diese seien bereits in Vorbereitung, hatte es geheißen. Nach Angaben eines republikanischen Abgeordneten gibt es aber keine Hinweise auf bevorstehende Anschläge der Qaida in den USA. Allerdings könne es sein, dass die Gruppe in dem Land aktiv sei, sagte Peter King, der auch Vorsitzender des Ausschusses für Heimatschutz des Repräsentantenhauses ist.