Tschad Frankreich setzt Luftwaffe ein
Ndjamena - Ein Mirage-Flugzeug habe mit seiner Bordkanone gestern 250 Kilometer östlich der Hauptstadt einen "Warnschuss" abgegeben, um den Vormarsch der Regierungsgegner aufzuhalten, teilte das französische Verteidigungsministerium heute in Paris mit. Es habe sich um "ein politisches Signal" mit Blick auf die rund 1500 im Tschad lebenden Franzosen gehandelt. Opfer habe es nicht gegeben. Angaben der Rebellen-Organisation Vereinte Front für den Wechsel (FUC), französische Kampfjets hätten heute Städte bombardiert, dementierte das Ministerium.
Regierungssoldaten und Rebellen lieferten sich am Morgen in der Umgebung der Hauptstadt weiter heftige Kämpfe, berichtet der französische Radiosender RFI. Die FUC versuchen seit langem Präsident Idriss Deby zu stürzen. Dieser will sich nach 16 Jahren an der Staatsspitze am 3. Mai zur Wiederwahl stellen. Er war 1990 durch einen Putsch an die Macht gekommen.
Deby sagte dem Sender, die Lage sei "unter Kontrolle". Die Kämpfer der FUC seien vollkommen aufgerieben worden. In der Nähe des Parlaments habe es Schüsse gegeben, drei verdächtige Fahrzeuge seien zerstört worden.
Nach Armeeangaben gab es am frühen Morgen am Stadtrand Kämpfe zwischen Soldaten und den Rebellen. Eine AFP-Reporterin berichtete von schwerem Artilleriefeuer. Im Zentrum der Hauptstadt war es am Morgen dagegen ruhig. Hubschrauber und französische Kampfjets vom Typ Mirage F1 überflogen das Gebiet.
Kämpfe zwischen Solddaten und Rebellen gab es nach Angaben humanitärer Organisationen auch 800 Kilometer weiter östlich in der Stadt Adré an der Grenze zum Sudan.
AU beruft Dringlichkeitssitzung ein
Die Afrikanische Union (AU) hat angesichts der Kämpfe eine Dringlichkeitssitzung zur Lage im Tschad einberufen. Der Friedens- und Sicherheitsrat der Organisation werde am Nachmittag "die jüngsten Entwicklungen im Tschad untersuchen", teilte die AU in Addis Abeba mit.
Frankreich ist in der derzeitigen Krise die Hauptstütze des tschadischen Präsidenten. Paris hatte erst gestern seine 1200 Soldaten im Tschad in Alarmbereitschaft versetzt und 150 Mann Verstärkung auf den Weg gebracht. Sie versorgen auf Grund eines Abkommens die "rechtmäßig gewählte Regierung" mit Daten aus Aufklärungsflügen über dem Kampfgebiet. Zudem müssten 1500 Franzosen im Tschad geschützt werden. In diplomatischen Kreisen hieß es, die Uno und die USA wollten einen Teil ihres Personals aus Sicherheitsgründen aus Ndjamena abziehen.
asc/AFP/dpa