Tschechien Gott will vom Volk gewählt werden
Prag - Der neue Termin für die Präsidentschaftswahl ist der 28. Februar. Vertreter aller Parteien einigten sich bei einem Treffen am Donnerstagabend auf diesen Termin. Prager Zeitungen berichten, die Kandidaten stünden jedoch noch nicht fest. Sollte auch die dritte Runde keinen Nachfolger für den ausgeschiedenen Vaclav Havel, 66, bringen, kommt es vermutlich zu einer Volkswahl.
Dann könnte die Stunde des Schlagersängers Karel Gott ("Biene Maja") schlagen. Eine Künstlerinitiative hat sich für seine Nominierung zur Wahl des Staatspräsidenten stark gemacht. Gott bezeichnete dies jetzt als einen Appell an die tschechische Politik, die Nachfolge Havels zu lösen. "Macht endlich was, damit unser Wahlkampf nicht lächerlich wird", sagte Gott am Freitag zum Gerangel im Parlament.
Streit gibt es vor allem in der Regierung: Sozialdemokraten, Christdemokraten und Liberale konnten sich bisher nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Dagegen wird die konservative Opposition vermutlich Ex-Regierungschef Vaclav Klaus, 61, nominieren.
Bei den beiden Wahlgängen im Januar hatten sich die Abgeordneten nicht auf einen Nachfolger von Havel einigen können. Seit dem Ausscheiden des Präsidenten teilen sich Ministerpräsident Vladimir Spidla und Parlamentspräsident Lubomir Zaoralek die Vollmachten.
Für den Fall, dass sich die zerstrittenen Parteien nicht auf einen Präsidenten einigen können, haben einige tschechische Politiker vorgeschlagen, die Verfassung zu ändern und die Direktwahl des Staatsoberhaupts einzuführen. Sollte es soweit sein, so Gott, werde er über eine Kandidatur ernsthaft nachdenken. Meldungen, er habe eine Kandidatur bereits abgelehnt, wies er zurück. "Das stimmt nicht", sagte er.