Tschernobyl: 715 Millionen Dollar für Einbetonierung - DER SPIEGEL
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Tschernobyl 715 Millionen Dollar für Einbetonierung

Die EU und die G-7-Staaten wollen zusammen 715 Millionen Dollar geben. Damit ist die dringend notwendige Sanierung des maroden Sarkophags um den Katastrophenreaktor von Tschernobyl gesichert.
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Berlin - Auf der zweiten Geberkonferenz in Berlin stockten die fast 40 Staaten und Organisationen ihre Zusagen für Finanzierungshilfen von bisher 393 auf nun 715 Millionen US-Dollar auf. Damit können nach Angaben von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) die Arbeiten zur Sicherung des Beton-Sarkophags nahtlos fortgesetzt werden.

Der ukrainische Ministerpräsident Wiktor Juschtschenko bekräftigte die Zusage, dass der letzte der einst vier Reaktoren in Tschernobyl am 15. Dezember endgültig abgeschaltet werde. Am Rande der Konferenz wurden erneut Meinungsunterschiede zwischen der ukrainischen Regierung und der Bundesregierung darüber deutlich, in welcher Form für den Atomstrom aus Tschernobyl Ersatz geschaffen werden soll.

Umweltminister Jürgen Trittin sagte, Ersatzkapazitäten "können und werden im nicht-nuklearen Bereich liegen", weil nur auf diesem Weg eine schnelle Lösung möglich sei. Juschtschenko indes machte deutlich, dass die Ukraine weiterhin die Fertigstellung von zwei Atomkraftwerken bevorzugt, die zu etwa 90 Prozent errichtet sind. Die Bundesregierung lehnt dies ab, sieht sich damit innerhalb der sieben führenden Industrienationen (G 7) jedoch weitgehend allein. Die G-7-Staaten hatten 1995 Finanzhilfe bei der Schaffung von Ersatzkapazitäten für Tschernobyl zugesagt. Trittin bekräftigte, die G-7-Länder stünden zu dieser Zusage.

Am 26. April 1986 hatte sich im Reaktorblock 4 in Tschernobyl das schwerste Unglück in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie ereignet. Damals wurde binnen drei Monaten um den explodierten und radioaktiv verseuchten Reaktor eine Betonhülle gebaut, die dringend saniert werden muss. Bis 2005 soll ein zweiter so genannter Sarkophag über den bestehenden Betonmantel gebaut werden und den Reaktor nach den Worten Fischers "für einige hundert Jahre" absichern.