Tschetschenien Präsidentenwahl unter Moskauer Aufsicht
Oischara - Die Präsidentenwahl ist Teil der Strategie des Kremls, die seit nahezu fünf Jahren gegen die russischen Truppen kämpfenden Rebellen zu schwächen. "Die Leute haben genug vom Kämpfen", sagte die 65-jährige Taschtjela Jarnassa in der osttschetschenischen Ortschaft Oischara. "Ich hoffe, es gibt keinen Krieg mehr."
Nach einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass gaben zehn Prozent der Wahlberechtigten in den ersten beiden Stunden ihre Stimme ab. In Oischara erschienen in diesem Zeitraum nach Angaben von Wahlhelfern aber nur 25 Wähler.
Alu Alchanow war bisher Innenminister. Sowohl er als auch seine sechs Mitbewerber um das Amt unterstützen die von Moskau eingesetzte Verwaltung. Neben Alchanow hat allerdings niemand ernsthafte Chancen, denn die Kandidaten sind in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Der einzige Politiker, der ein ernsthafter Konkurrent Alchanows war, der Geschäftsmann Malik Saidullajew, wurde von der moskautreuen Regierung in Grosny von der Wahl ausgeschlossen.
Vor einem Wahllokal in der Hauptstadt Grosny gab es einen tödlichen Zwischenfall. Dort wurde ein Mann bei einer Explosion in die Luft gerissen, der wegen eines mitgeführten Pakets den Verdacht von Polizisten geweckt hatte und von ihnen zur Rede gestellt worden war. Die Wahl ging danach ungehindert weiter, wie der russische Fernsehsender NTV berichtete.
Die eine Million Einwohner Tschetscheniens leben seit zehn Jahren Jahren im Kriegszustand: Im Anschluss an die Unabhängigkeitserklärung nach der Auflösung der Sowjetunion endete der erste Krieg von 1994 zwei Jahre später mit dem Abzug russischer Truppen und einer Autonomieregelung. Nach mehreren Bombenanschlägen und Überfällen im benachbarten Dagestan intervenierten die russischen Truppen 1999 ein weiteres Mal; der damalige Präsident Aslan Maschadow lebt seitdem im Exil.