Tschetschenien: Rebellenführer übergibt Macht an Nachfolger - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Tschetschenien Rebellenführer übergibt Macht an Nachfolger

Machtwechsel bei den tschetschenischen Rebellen: Separatistenführer Doku Umarow hat in einem Internet-Video die Stabsübergabe an seinen Nachfolger Aslambek Wadalow verkündet. Umarow gilt als Russlands Staatsfeind Nummer eins. Experten befürchten nach seinem Abgang vermehrt Terrorattacken.
Terroristenführer Umarow (Archivbild): "Russischer Bin Laden"
Terroristenführer Umarow (Archivbild): "Russischer Bin Laden"

Terroristenführer Umarow (Archivbild): "Russischer Bin Laden"

Foto: HO/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Moskau - Er zählt zu den meistgesuchten Männern Russlands und hat sich selbst zum "Emir vom Kaukasus" ernannt - nun hat der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow seinen Rückzug bekanntgegeben: Der 46-Jährige verkündete im Internet-Videoportal YouTube die Machtübergabe an seinen Stellvertreter Aslambek Wadalow. Die Echtheit des am späten Sonntagabend veröffentlichten Videos konnte zunächst nicht bestätigt werden.

"Wir haben einmütig entschieden, dass ich meinen Posten heute räume", sagte Umarow in der Aufzeichnung, das ihn an der Seite seines Nachfolgers und eines weiteren Kämpfers in einem Waldstück zeigt. "Ich bin müde", sagte der 46-Jährige. "Unser Bruder Aslambek ist jünger, hat mehr Energie, wird andere Ergebnisse erzielen."

Tschetscheniens

Den "Heiligen Krieg" müsse nun ein jüngerer und aktiverer Kämpfer führen. Er selbst werde aber seine islamistischen Brüder weiter "mit Worten und Taten" unterstützen. Der bisherige Rebellenführer gilt als Drahtzieher diverser Anschläge auch außerhalb und soll Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida haben.

Umarow hatte sich auch zu dem Anschlag auf die Moskauer U-Bahn bekannt, bei dem Ende März 40 Menschen starben. Er gilt als Russlands Staatsfeind Nummer Eins. Die US-Behörden hatten Umarow jüngst auf ihre Liste internationaler Terroristen gesetzt. Er wurde auch als "russischer Bin Laden" bezeichnet. In der letzten Zeit hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass der Rebellenführer schwer krank sei. Bereits mehrfach wurde er von der russischen Armee fälschlicherweise für tot erklärt.

Der kremltreue tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow kündigte an, Umarow, der sich wie eine "Ratte" verstecke, weiter zu jagen. "Für die tschetschenische Bevölkerung gilt Umarow schon lange als ein lebender Leichnam", sagte Kadyrow nach Angaben der Agentur Interfax.

Der Nachfolger ist ein erfahrener Warlord

Die Separatisten kämpfen gegen russische Truppen für ein von Moskau unabhängiges Kaukasus-Emirat. Sie haben angekündigt, Russland wegen seiner "Besatzungspolitik" im Nordkaukasus mit einem Terror-Krieg zu überziehen. Experten gehen davon aus, dass sich der ohnehin kaum kontrollierbare Terror in der Konfliktregion mit einer neuen Führung tatsächlich weiter verschärfen könnte.

Umarows Schritt lasse auf eine neue Strategie und Taktik der Terroristen schließen, sagte der Moskauer Anti-Terror-Experte und Vizechef im russischen Föderationsrat, Alexander Torschin. Er sieht Umarows Rückzug als Folge der Verhaftung eines seiner engsten Vertrauten. Der Islamist Ali Tasijew sitzt in einem Moskauer Gefängnis. Magas könnte nun Parolen, Pläne und Umarows gesamte Denkweise verraten, meinte Torschin.

Umarows Nachfolger Wadalow ist russischen Medienberichten zufolge Ende 30 und ein erfahrener Warlord, der in beiden Tschetschenien-Kriegen in den 90er Jahren gegen russische Truppen kämpfte.

hip/mmq/apn/AFP/dpa