Türkei Unklarheit um letzte Ruhestätte für getötete Putschisten
Umstrittenes Schild auf dem Friedhof bei Istanbul
Foto: OZAN KOSE/ AFPFünf Tage nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei machte Istanbuls Bürgermeister deutlich, was er von den Putschisten hält. Gegenüber der Zeitung "Hürriyet" sprach sich Kadir Topbas dafür aus, die toten Aufständischen auf einem "Friedhof der Vaterlandsverräter" zu begraben. "Die, die vorbeigehen, sollen sie verfluchen. Jeder, der dort hingeht, soll sie verfluchen", zitierte ihn das Blatt.
Kurz darauf wurde auf einem Feld im Osten der Stadt ein entsprechendes Schild aufgestellt. Dort sollten die beim Umsturzversuch getöteten Putschisten begraben werden. Doch daraus wird nun offenbar doch nichts: Topbas kündigte an, dass es einen solchen Friedhof nicht geben werden. Wie türkische Medien berichten, ließ der Bürgermeister das Schild nach Beratungen mit der Religionsbehörde wieder entfernen.
Unklar ist, was mit dem dort bereits beerdigten Putschisten geschehen soll. Topbas hatte am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA gesagt: "Die Familie wollte ihn nicht, und er wurde im Friedhof der Verräter begraben. Die, die ihr Volk verraten, finden auch im Grab keine Ruhe", zitierte "Hürriyet" den Bürgermeister.
Bei dem Putschversuch waren in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli insgesamt 24 Putschisten bei Gefechten ums Leben gekommen. Die türkische Regierung geht massiv gegen die Überlebenden und vermeintliche Unterstützer vor.
Insgesamt wurden in den vergangenen beiden Wochen mehr als 18.000 Menschen festgenommen und fast 50.000 Reisepässe für ungültig erklärt. Zehntausende Mitarbeiter aus Ministerien, Richter, Staatsanwälte, Soldaten, Lehrer und Journalisten wurden entlassen oder suspendiert. Die Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich.