Türkei In Antalya festgenommene Deutsche wieder frei
Flughafen Antalya: Ort der Festnahme am Donnerstag
Foto: imago/ ITAR-TASSEine der zwei aufgrund "politischer Vorwürfe" am Donnerstag in der Türkei festgenommen Personen mit deutschem Pass ist wieder frei. Das Auswärtige Amt bestätigte die Information, nachdem es in Kontakt mit dem Anwalt der festgenommenen Person getreten war. Die Freilassung erfolgte "ohne Auflagen".
Erst später wurde bekannt, dass es sich bei der Person um eine Frau handelt. Laut Nachrichtenagentur dpa sind die Festgenommenen Eheleute. Demnach befindet sich der Mann weiter in Gewahrsam, seine Frau wurde am Montag auf freien Fuß gesetzt. Gegen die noch festgehaltene Person sei bislang kein Haftbefehl ergangen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Zu ihm hätten deutsche Diplomaten weiterhin keinen Zugang.
Die Festnahme hatte am Flughafen von Antalya stattgefunden und war von der Bundesregierung scharf kritisiert worden. Zunächst sei kein konsularischer Kontakt möglich gewesen, auch sei man nur von nichtstaatlicher Stelle über die Festnahmen unterrichtet worden. Eigentlich wäre die Türkei bei deutschen Staatsbürgern zu einer direkten Information des Herkunftslandes verpflichtet.
Nach Informationen des SPIEGEL handelte es sich bei den Festgenommenen vermutlich um zwei Deutsche mit türkischem Hintergrund, denen Anhängerschaft zur Gülen-Bewegung vorgeworfen wurde.
Insgesamt sitzen damit noch elf Deutsche in türkischen Gefängnissen, denen unter anderem Unterstützung von Terroristen vorgeworfen wird. Sie wurden alle nach dem gescheiterten Putschversuch vor einem Jahr festgenommen.
Die Bundesregierung hatte nach der Inhaftierung des Menschenrechtlers Peter Steudtner Mitte Juli einen Kurswechsel in der Türkeipolitik vorgenommen und die Reisehinweise für das Urlaubsland vieler Deutscher verschärft. Seit den Festnahmen am Freitag werden weitere Reaktionen diskutiert.
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz forderte am Sonntagabend (sehen Sie hier die Schlüsselszenen) überraschend einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, was ein Sprecher Erdogans am Montag als "Populismus" kritisierte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will darüber Gespräche mit den anderen EU-Mitgliedern führen. Für einen Abbruch der Verhandlungen ist ein einstimmiger Beschluss der 28 EU-Mitglieder nötig.