Tunesien Essebsi gewinnt Präsidentschaftswahl
Wahlsieger Essebsi auf Plakaten seiner Anhänger: Erfolg in der zweiten Runde
Foto: AP/dpaTunis - Die zweite Runde brachte die Entscheidung bei der Präsidentschaftswahl in Tunesien: Béji Caïd Essebsi kam auf 55,68 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Moncef Marzouki erhielt 44,3 Prozent. Damit wird der 88-jährige Essebsi neuer Staatschef.
Essebsi hatte sich bereits am Sonntagabend zum Wahlsieger erklärt. Er gehört der anti-islamistischen und neoliberal ausgerichteten Partei Nidaa Tounès an, die als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl im Oktober hervorging. Sie gilt als Sammelbecken der alten Staatselite um Zine el-Abidin Ben Ali.
Der 69 Jahre alte Marzouki war für den sozialdemokratischen Kongress für die Republik (CPR) angetreten. Der Bürgerrechtler war Anfang 2012 mit Unterstützung der islamistischen Partei Ennahda zum Übergangspräsidenten gewählt worden.
Vor Bekanntgabe der Auszählung der Stichwahl hatte es bereits Proteste gegeben. In der Stadt Hamma im Süden des Landes gingen am Montag Hunderte Jugendliche auf die Straße. Sie skandierten nach Angaben der Zeugen "Nein zum alten Regime", setzten Reifen in Brand und blockierten Straßen. Einen Sturm auf eine Polizeistation hätten Sicherheitskräfte mit Tränengas abgewehrt. Alle Geschäfte in der Stadt seien geschlossen.
Fast vier Jahre nach dem Sturz des autokratischen Machthabers Ben Ali galt die Wahl als letzter Schritt der Demokratisierung des nordafrikanischen Landes, in dem der sogenannte Arabische Frühling seinen Anfang nahm.
Essebsi hatte Ende November die erste Runde gewonnen. Bereits vor der Auszählung der Stichwahl dankte er vor 2000 Anhängern in Tunis und würdigte seinen Gegner Marzouki. "Tunesien braucht alle seine Kinder", sagte er. Essebsi und Marzouki gelten als Erzfeinde.
Tunesien gilt als Musterbeispiel für die Demokratiebewegung in Nordafrika. Inzwischen gibt es eine neue Verfassung, ein neues Parlament wurde gewählt, und die Politik zeichnet sich durch Kompromisse zwischen den gesellschaftlichen Gruppen aus. Dagegen versinken andere Länder der Region wie Libyen nach den Umstürzen der vergangenen Jahre im Chaos.