Turkmenistan Neuer Präsident vereidigt
Aschgabat - Turkmenistan hat einen neuen Präsidenten: Der stellvertretende Regierungschef Gurbanguly Berdymuchammedow gewann die Wahl vom Sonntag mit mehr als 89 Prozent der Stimmen, wie der Chef der Wahlkommission, Murrad Karrijew, heute bei einer Zeremonie in der Hauptstadt Aschgabat mitteilte. Nach seinem Wahlsieg mit offiziell 89,23 Prozent der Stimmen legte er vor dem Parlament den Amtseid ab.
Der Wahlsieger war bereits als Favorit unter den sechs Anwärtern ins Rennen am vergangenen Wochenende gegangen. Er hatte direkt nach dem Tod von Saparmurat Nijasow im Dezember dessen Amtsvollmachten übernommen. Berdymuchammedow hatte vor der Wahl Pläne für demokratische Reformen angedeutet. Er kündigte Reformen in Bildung und Gesundheitswesen an. Alle internationalen Verträge Turkmenistans würden eingehalten, sagte er.
Berdymuchammedow schwor auf die Verfassung, "alle Gesetze und die Konstitution zu respektieren". Er wolle für das Wohl des Volkes und für die Entwicklung des Landes arbeiten, indem er dem Weg folge, den sein Vorgänger aufgezeigt habe. Anschließend küsste er die turkmenische Flagge, dann erklang die Hymne des Landes durch den Saal, in dem sich 2500 Würdenträger und Clanchefs versammelt hatten. Berdymuchammedow bleibt zunächst fünf Jahre im Amt.
Zum ersten Mal hatten die 2,6 Millionen Wahlberechtigten in dem zentralasiatischen Land bei der Wahl die Möglichkeit gehabt, zwischen mehreren Kandidaten zu entscheiden. Sechs Kandidaten hatten sich beworben, die aber alle aus dem Regierungslager stammten.
Wahlbeobachter kritisierten den Urnengang als manipuliert. So waren die profiliertesten Köpfe der Opposition, die sich ausnahmslos im Exil befinden, zu dem Votum nicht zugelassen.
Laut Verfassung hätte eigentlich Parlamentspräsident Owesgeldy Atajew bis zu den Wahlen das höchste Amt im Staat übernehmen müssen - wegen Ermittlungen gegen Atajew wurde diese Regel jedoch außer Kraft gesetzt.
Berdymuchammedows Vorgänger, der Diktator Nijasow, hatte sich als "Turkmenbaschi" - Vater aller Turkmenen - in einem bizarren Personenkult feiern lassen und die gas- und ölreiche Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien isoliert. Kritik an seinem Einparteiensystem ließ Nijasow nicht zu: Politische Gegner ließ er inhaftieren oder aus dem Land vertreiben.
jaf/dpa/AFP/AP