Ukraine Juschtschenko will eigenständiges Atomprogramm
Kiew - Die Ukraine müsse ihre Politik ändern und selbst Atombrennstoff produzieren, erklärte der ukrainische Staatspräsident Viktor Juschtschenko. Dazu müsse die Ukraine mit internationalen Verbündeten auf einem ernsthaften politischen und wirtschaftlichen Niveau kooperieren, um einen vollständigen Kreislauf für den Atombrennstoff aufbauen zu können, fügte er hinzu.
Das Anliegen wird von einem Land geäußert, dass im Zusammenhang mit Atomenergie schwer vorbelastet ist. Die Ukraine war 1986 Schauplatz der bislang größten zivilen Atomkatastrophe, als in Tschernobly ein Reaktor durchbrannte. Weite Teile Europas wurden dabei verstrahlt.
Gegenwärtig liefert die Ukraine Rohuran nach Russland und bezieht von dort die Brennstäbe für die Atomkraftwerke. Ein vollständiger Kreislauf für Atombrennstoff würde bedeuten, dass die Ukraine das Material auch selbst aufarbeitet. Dieser Prozess ist äußerst umstritten, wie auch der aktuelle Streit mit Iran zeigt, weil nicht nur ziviler Brennstoff gewonnen werden könnte, sondern auch Material für Atombomben.
Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 hatte die Ukraine das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Welt. Das Land verzichtete aber auf diese Waffen und lieferte 1.300 Sprengköpfe zur Zerstörung nach Russland. Hintergrund des Vorstoßes von Juschtschenko ist der Streit um die Gaslieferungen aus Russland, der zeigte, wie groß die Abhängigkeit der Ukraine auf dem Energiesektor ist. Mit einem neuen Abkommen verdoppelte sich der Gaspreis für die Ukraine, was zu scharfen Protesten des Parlaments führte. Das Thema dürfte auch im Wahlkampf für die Parlamentswahl im März wieder eine Rolle spielen.