Ukraine Timoschenko soll Regierungschefin werden
Kiew - Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax schränkte Wiktor Juschtschenko jedoch ein, es seien noch Verhandlungen notwendig, bevor Julia Timoschenko Ministerpräsidentin werden könne. Sollte keine Aussicht auf eine Mehrheit im Parlament bestehen, werde er eine andere Kandidatur bevorzugen. Timoschenko ist wegen dubioser Energiegeschäfte in den neunziger Jahren äußerst umstritten.
Timoschenko, selbst ehemalige Vizeregierungschefin für Energiefragen, hatte in den Wochen der Massenproteste gegen das alte Regime und dessen Wahlfälschungen den radikalen Teil der Opposition geführt. "Es gibt eine Abmachung, die vorsieht, dass meine Fraktion und ich alle Kräfte für eine Kandidatur von Julia Wladimirowna Timoschenko mobilisieren", sagte Juschtschenko. Als mögliche Alternativen für das Amt des Regierungschefs nannte Juschtschenko auch Ex-Regierungschef Anatoli Kinach, Sozialistenchef Alexander Moros sowie den Finanzpolitiker und Unternehmer Pjotr Poroschenko.
Timoschenko hatte sich gegen den von Juschtschenko getragenen Kompromiss mit der alten Führung um Präsident Leonid Kutschma zur Beilegung der Staatskrise ausgesprochen. Beobachter erwarten, dass Timoschenko als Regierungschefin für eine Umverteilung der Eigentumsverhältnisse in der politisch gespaltenen Ukraine eintreten würde.
Sie ist vor allem im stark industrialisierten Osten der Ukraine, der Heimat der reichsten Industriellen des Landes, unbeliebt. Dort erhielt Juschtschenkos Gegenkandidat Wiktor Janukowitsch die meisten Stimmen. Gegen Timoschenko läuft in Russland ein Verfahren wegen angeblicher Bestechung von ranghohen Militärs.
Janukowitsch kündigte an, er wolle seinen Posten als Regierungschef nicht räumen. Der scheidende Präsident Kutschma hatte am Mittwoch den für Energiefragen zuständigen Vizeregierungschef Andrej Kljujew entlassen. Am Dienstag war Verkehrsminister Georgij Kirpa tot in seiner Datscha aufgefunden worden.