Ukrainischer Premier warnt vor Staatsbankrott - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Appell für Geberkonferenz Ukrainischer Premier warnt vor Staatsbankrott

Die finanzielle Lage der Ukraine ist höchst angespannt, Premier Jazenjuk wendet sich jetzt an die internationale Gemeinschaft: Ohne rasche Geldhilfe steuere sein Land in die Pleite.
Ukrainischer Premier Jazenjuk: Dringende Bitte an die Geldgeber
Ukrainischer Premier Jazenjuk: Dringende Bitte an die Geldgeber

Ukrainischer Premier Jazenjuk: Dringende Bitte an die Geldgeber

Foto: Sergey Dolzhenko/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kiew - Schon vor den Auseinandersetzungen mit Moskau war die Finanzsituation in der Ukraine kritisch. Glaubt man Premier Arsenij Jazenjuk, so ist sie nun, nach monatelanger militärischer Krise, katastrophal.

In einer Rede vor dem Parlament in Kiew warnte der Politiker vor einem drohenden Kollaps seines Landes. Ohne ein schnelles Einschreiten sei eine solche Eskalation nicht ausgeschlossen. "Um zu überleben, um eine Pleite zu verhindern, brauchen wir eine internationale Geberkonferenz und die Hilfe unserer westlichen Partner", so Jazenjuk. Dafür würde die Ukraine auch alle vom Ausland geforderten Reformanstrengungen unternehmen.

Die Aussage kommt nicht zufällig zum jetzigen Zeitpunkt. Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden in dieser Woche in Kiew zu Gesprächen erwartet. Es geht um ein 17 Milliarden US-Dollar schweres Hilfspaket, das Kiew erhalten soll. Zwei Zahlungen von insgesamt 4,6 Milliarden Dollar sind geflossen.

Drei Tote, acht Verletzte an einem Tag

Offenbar besteht aber ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 15 Milliarden Dollar, wie die "Financial Times" unter Berufung auf den IWF meldet. Auf diesen Zeitungsbericht nahm Jazenjuk in seiner Rede direkten Bezug.

Die Ukraine leidet in erster Linie unter dem Konflikt mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes. Dort toben trotz einer vor drei Monaten vereinbarten Waffenruhe immer noch Kämpfe. Seit Mitte April wurden mehr als 4300 Menschen getötet.

Am Donnerstag zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen Anführer der Separatisten mit den Worten, die Aufständischen hätten damit begonnen, größere Artilleriegeschütze von Stellungen im südlichen Teil der Rebellenregion Donezk abzuziehen. Trotzdem gab es offenbar erneut Tote: Nach Angaben Kiews sind in der Ostukraine binnen 24 Stunden drei Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden.

jok/mxw/Reuters/AFP