Ultimatum Israel droht mit Krieg
Jerusalem/Beirut - Wenn Arafat die Frist verstreichen lasse, werde Israel "daraus den Schluss ziehen, dass Arafat bewusst entschieden hat, die Verhandlungen, den Friedensprozess, zu beenden", sagte Barak. Israel werde dann sein Recht auf Verteidigung wahr nehmen und die nötigen Schritte unternehmen, um seine Bürger und Soldaten zu schützen. Israelische Kampfflugzeuge überflogen unterdessen Beirut und durchbrachen die Schallmauer. Wie Augenzeugen berichteten, gerieten die Einwohner in Panik. Die Regierung des Libanon befürchtet nach Angaben aus Militärkreisen eine israelische Offensive und versetzte die Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft.
Auch in den von Israel besetzten Gebieten gingen die Unruhen weiter. Ein Palästinenser und ein Israeli starben, im Gaza-Streifen wurde ein mit Israelis besetzter Bus beschossen. Die Armee kündigte daraufhin an, offensiv vorzugehen und setzte Kampfhubschrauber gegen Heckenschützen ein. Im Gaza-Streifen sprengte sie an der Netsarim-Kreuzung mehrere Gebäude in die Luft, weil Palästinenser von dort aus israelische Truppen angegriffen hätten. Bei den Unruhen starben seit Donnerstag vergangener Woche über 80 Menschen - mehr als beim Aufstand 1996.
Auch der israelische Generalmajor Uzi Dajan warnte die Palästinenser am Sonntag vor weiterer Gewalt. Auch Angriffe auf das palästinensische Hauptquartier seien denkbar, sagte er im israelischen Rundfunk. Die Armee werde zunehmend offensiv vorgehen. "Ich würde noch nicht von einem regelrechten Krieg sprechen, aber wenn die Palästinenser die Konfrontation wählen, wird es eine Konfrontation geben", sagte er.
Israelische Flagge über der Moschee
An der Grenze zum Libanon ereigneten sich am Samstag die heftigsten Gefechte zwischen Armee und radikal-islamischer Hisbollah, seit sich Israel im Mai aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte. Die israelische Armee flog Luftangriffe auf Ziele im Libanon. Am Sonntag blieb es weitgehend ruhig. Israel verstärkte jedoch seine Truppenpräsenz mit zahlreichen gepanzerten Fahrzeugen.
Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte in der Nacht zum Sonntag (MESZ) die Gewalt gegen die Palästinenser als exzessiv. Die USA enthielten sich der Stimme.
In mehreren israelischen Städten kam es zu anti-arabischen Demonstrationen. In der nordisraelischen Stadt Tiberias hissten Bewohner die israelische Flagge über einer Moschee und setzten das Gebäude in Brand. Am Samstag hatten Palästinenser das den Juden heilige Josefsgrabmal in Nablus im Westjordanland gestürmt und beschädigt.