Urananreicherung Iran weitet Atomprogramm aus
Teheran - Das Land habe damit begonnen, zur Urananreicherung Gas in die zweite Zentrifugen-Kaskade zu leiten, berichtete die Nachrichtenagentur Isna heute. Der Vorgang laufe bereits seit der vergangenen Woche.
US-Präsident George W. Bush reagierte empört. Er rief zu einer Verdoppelung der Anstrengungen gegen das iranische Atomprogramm auf. Er habe von den "Spekulationen" über die Inbetriebnahme eines zweiten Zentrifugennetzwerks gehört. "Ob sie es verdoppelt haben oder nicht - die Vorstellung, dass Iran im Besitz von Nuklearwaffen ist, ist inakzeptabel", sagte er.
Auch Frankreich als eines der fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats reagierte besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Paris forderte eine rasche Entscheidung über Sanktionen der Uno. Eine gemeinsame Position wird Diplomaten zufolge noch bis mindestens Mitte kommender Woche auf sich warten lassen. Frankreichs Präsident Jacques Chirac sagte, er befürworte zeitlich begrenzte Sanktionen, falls es nicht zu einer Verhandlungslösung komme. Damit solle dem Land klar gemacht werden, dass die Staatengemeinschaft die iranische Position nicht dulde.
Die Regierung in Moskau spielte den iranischen Bericht dagegen herunter: Es sei noch zu früh, um sich Sorgen um eine mögliche Herstellung von Atomwaffen zu machen, hieß es. Verteidigungsminister Sergej Iwanow sagte: "Das sind leere Zentrifugen, damit kann man gar nichts produzieren. Deswegen ist es zu früh, um über Urananreicherung zu reden."
Am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien löste der Bericht über das jüngste iranische Experiment, das auch der Gewinnung von waffenfähigem Uran dienen könnte, keinerlei Überraschung aus. Es handele sich hier um einen logischen zweiten Schritt nach den bisherigen Tests, sagte ein Diplomat. Es zeige jedoch auch, dass Teheran die internationalen Forderungen nach einem Verzicht auf die eigene Urananreicherung total ignoriere.
Iran bestreitet, mit dem Atomprogramm nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Es diene ausschließlich der Stromerzeugung. Der Islamischen Republik drohen Sanktionen der Vereinten Nationen, weil sie im August eine Frist zum Einlenken verstreichen ließ. Ein derzeit in der Uno verhandelter Resolutionsentwurf Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands ist bei den USA und Russland auf Vorbehalte gestoßen.
Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Deutschland sind um eine Beilegung des Atomstreits mit Iran bemüht.
ler/Reuters/AP