Urananreicherung Iran will Atomprogramm "niemals" aufgeben
Iranischer Staatschef Ahmadinedschad: "Wir brauchen keine Atomwaffen"
Foto: A2800 epa Taherkenareh/ dpaTeheran - Zwei Wochen vor den neuen Verhandlungen mit den fünf Veto-Mächten im Uno-Sicherheitsrat und Deutschland hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad betont, sein Land benötige keine Atomwaffen. "Wir glauben, dass Atomwaffen der Vergangenheit angehören", sagte Ahmadinedschad am Donnerstag dem US-Sender NBC.
"Wir sehen keine Notwendigkeit für diese Art von Waffen", sagte Ahmadinedschad. Explizit und für alle Zeit ausschließen wollte er die Entwicklung solcher Waffen allerdings auf Nachfrage nicht.
Unnachgiebig zeigte sich Ahmadinedschad gegenüber Forderungen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der USA, die Urananreicherung einzustellen. Die Anreicherung zu friedlichen Zwecken "wird hier in Iran niemals aufgegeben", sagte er.
Mehrere westliche Länder hegen den Verdacht, Iran betreibe neben seinem Programm zur zivilen Nutzung der Atomenergie zugleich heimlich die Entwicklung von Atomwaffen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien betonte am Freitag, sie verfüge derzeit über "keine konkreten Beweise", dass Teheran an einem militärischen Atomprogramm arbeite. Die Nachrichtenagentur AP hatte geschrieben, IAEA-Experten stimmten darin überein, Iran besitze mittlerweile die Mittel zum Bau der Atombombe und arbeite an Trägerraketen. Dabei berief sich die Agentur auf ein geheimes IAEA-Papier.
"Wir bedauern, dass Menschen getötet wurden"
Für den 1. Oktober ist eine Wiederaufnahme der Verhandlungen der sogenannten Sechsergruppe mit Iran über das Atomprogramm vereinbart. Die Führung legte dafür ein Grundsatzpapier vor, das jedoch von Washington als unzureichend eingestuft wurde. Ahmadinedschad will kommende Woche an der Generaldebatte der Uno-Vollversammlung in New York teilnehmen. Er hatte ähnliche Auftritte in der Vergangenheit wiederholt genutzt, um scharfe Angriffe gegen die USA und Israel zu richten.
Ahmadinedschad äußerte sich gegenüber NBC bedauernd darüber, dass bei Protesten der Opposition seines Landes nach seiner Wiederwahl zahlreiche Demonstranten getötet worden waren. "Wir bedauern alle, dass Menschen getötet wurden", sagte Ahmadinedschad. Nach dem Wahlgang vom 12. Juni hatte es in Teheran und anderen iranischen Städten die größten Demonstrationen seit der Islamischen Revolution 1979 gegeben. Nach offiziellen Angaben wurden rund 30 Menschen getötet, nach Angaben der Opposition 69. Den Behörden zufolge gab es 4000 Festnahmen, etwa 150 Beteiligte an den Protesten sitzen nach wie vor im Gefängnis.
In der iranischen Provinzhauptstadt Sanandadsch wurde am Donnerstag ein prominenter Geistlicher von Unbekannten erschossen. Mullah Mohammed Scheich Olislam, der Vertreter der nordwest-iranischen Provinz Kurdistan im sogenannten Expertenrat, wurde in einer Moschee durch zwei Kopfschüsse getötet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna meldete. Der aus 86 Geistlichen bestehende Expertenrat ernennt den obersten Führer des Landes und kann ihn auch entlassen. Die Mitglieder werden von der Bevölkerung gewählt.