Uranprogramm: Iran und sein Weg zur Atombombe - DER SPIEGEL
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Uranprogramm Iran und sein Weg zur Atombombe

Wie weit ist Iran von Atomwaffen entfernt? Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Mullah-Staat technische Probleme mit seinem umstrittenen Uranprogramm.
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Hamburg - Iran feiert, bis zum 11. Februar gedenkt das Land der Islamischen Revolution und die Führung in Teheran garniert die Feierlichkeiten mit verbalem Getöse zu seinem umstrittenen Uranprogramm: "Wir werden bald gute Atom-Nachrichten verkünden", sagte gestern Irans Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde, Ali Asghar Soltanieh.

Beobachter gehen davon aus, dass Iran ankündigen wird, weitere 3000 Zentrifugen in der Anlage in Natans zu installieren - und rechnen damit, dass der Beginn dieser Arbeiten am letzten Tag der Revolutionsfeiern bekannt gegeben wird: Kommenden Sonntag soll Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf dem Teheraner Freiheitsplatz sprechen.

Mit den Zentrifugen wird Uran als Nuklearbrennstoff angereichert - es kann, abhängig vom Anreicherungsgrad - zum Betrieb von Kernkraftwerken oder für den Bau von Atombomben verwendet werden. Aber wie weit ist Teheran mit seinen atomaren Bestrebungen?

Laut einem Bericht der "New York Times" hat Iran zumindest erhebliche technische Probleme: Die verbale Kraftmeierei könnte demnach weit stärker sein als die technischen Fertigkeiten Teherans, berichtet das Blatt unter Berufung auf Experten, die Zugang zu Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde haben. So habe das Land bisher erhebliche Anstrengungen unternommen, könne aber nur begrenzte Erfolge vorweisen, immer wieder sei es zu Verzögerungen und Pannen gekommen.

Um Uran in großem Maßstab anzureichern, müssten die Maschinen über Monate auf hoher Geschwindigkeit arbeiten, die iranische Testanlage Natans sei aber lediglich mit Unterbrechungen in Betrieb gewesen und habe nur kleine Uran-Mengen angereichert. Zudem habe Iran bisher lediglich zwei der sechs Kaskaden eingerichtet, ursprünglich sollten die sechs Kaskaden bereits 2003 in Betrieb sein - eine Kaskade ist die kleinste Einheit zur Anreicherung von Uran. Bislang sollen in Iran lediglich 328 Zentrifugen zur Anreicherung von Uran in Betrieb sein.

Marc Fitzpatrick, ein Experte des renommierten International Institute for Strategic Studies (IISS), äußerte vor diesem Hintergrund Zweifel an Irans Vorgehen: Von technischer Seite gesehen sei es "unlogisch", 3000 Zentrifugen zu installieren, ohne sich genau mit dem Betrieb auszukennen. Fitzpatrick vermutet deshalb weniger technische Fähigkeiten als vielmehr politische Gründe hinter dem verbalen Getöse Irans, "es sei denn, sie hätten Fortschritte gemacht, von denen wir nichts wissen", sagte er der "New York Times".

Seit einigen Tagen verschärfen die USA ihren Kurs gegen Iran und werfen Teheran vor, Waffenhilfe für schiitische Milizen im Irak zu leisten. US-Präsident George W. Bush veranlasste die Entsendung eines weiteren Flugzeugträgers in den Persischen Golf, es kursieren Gerüchte über einen möglichen US-Angriff auf Teheran - möglicherweise will die iranische Führung trotz der US-Drohungen Stärke demonstrieren. Schließlich steht Ahmadinedschad nicht zuletzt auch innenpolitisch unter Druck, weil das Land in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Bereits in der Vergangenheit versuchte Ahmadinedschad mit hartem außenpolitischen Kurs von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Unklar ist, wie weit Teheran derzeit noch von Atomwaffen entfernt ist: Iran würde dieses Jahr benötigen, um die 3000 Zentrifugen zu installieren, ein weiteres Jahr würde vergehen, um einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen, dann seien weitere neun bis elf Monate nötig, um hoch angereichertes Uran herzustellen, sagte Fitzpatrick der "New York Times". Dieses Szenario setze voraus, dass die Anlage ohne Probleme laufe und die Iraner in höchstem Tempo arbeiteten, fügte er hinzu.

Bereits vor wenigen Tagen hatte das IISS in seinem Jahresbericht bilanziert, der Mullah-Staat könnte in zwei bis drei Jahren über Nuklearwaffen verfügen. US-Geheimdienste waren allerdings bisher davon ausgegangen, Iran sei noch vier Jahre davon entfernt. Trotz dieser Möglichkeit Irans, schneller an Atomwaffen zu gelangen als mancherorts vermutet, sehe es so aus, als stecke hinter den Ankündigungen Teherans eben auch politischer Bluff, schreibt die "New York Times".

Internationale Inspektoren hätten zumindest bereits Teile für die 3000 Zentrifugen in Iran gesehen, zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten EU-Diplomaten, es habe sich um Material für sehr einfache Zentrifugen gehandelt. Ahamdinedschad hatte allerdings in der Vergangenheit erklärt, sein Land arbeite an einer besseren Zentrifuge, mit der sich Uran schneller aufbereiten lasse. Dies hatte Spekulationen ausgelöst, Iran verfüge möglicherweise über eine geheime Atomanlage.

Heute heiß es in Kreisen von EU-Diplomaten, Iran habe mehr als 300 Zentrifugen in seiner unterirdischen Anlage Natans installiert und damit die Grundlage für eine groß angelegte Uran-Anreicherung gelegt. Die beiden Kaskaden mit jeweils 164 Zentrifugen sollten in Kürze probeweise in Betrieb genommen werden. Iran willl nach eigenen Angaben 54.000 Zentrifugen in Natans installieren - diese Menge wäre nötig, um atomwaffenfähiges Uran herzustellen.

Insbesondere die USA werfen Teheran vor, nach Atomwaffen zu streben, für die hoch angereichertes Uran benötigt wird. Iran weist diese Vorwürfe zurück.

Britische Menschenrechtsgruppen und Politikexperten warnten unterdessen vor verheerenden Auswirkungen eines Krieges gegen Iran. In einm heute veröffentlichten gemeinsamen Bericht befürchten 15 Organisationen, ein Angriff gegen die Islamische Republik könnte die atomaren Ambitionen des Landes stärken und die Bemühungen um Stabilität im Nachbarland Irak ernsthaft untergraben. "Die Konsequenzen einer Militäraktion gegen Iran wären nicht nur widerwärtig, sie sind undenkbar", sagte der Chef des Instituts Foreign Policy Centre, Stephen Twigg. Selbst wenn Iran nach Atomwaffen streben sollte, wäre das Land noch Jahre von diesem Ziel entfernt. Die Erklärung haben unter anderem auch die Hilfsorganisation Oxfam und er Muslim-Rat Großbritanniens unterzeichnet.

hen/Reuters