US-Kommandoaktion Omars leere Disketten
Washington - Spezialtruppen der US-Armee waren vor zehn Tagen im Süden Afghanistans gelandet, Einsatzgebiet waren Einrichtungen des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar und ein Flugfeld südlich von Kandahar. Etwa 100 Ranger und Angehörige der Special Forces waren mit Fallschirmen abgesprungen oder mit dem Hubschrauber bis tief in das Taliban-kontrollierte Territorium geflogen worden. Die gesamte Aktion hätte etwa sechs Stunden gedauert, berichtet die "New York Times". Die Gebäude von Mullah Omar im Süden Kandahars seien von afghanischen Sicherheitskräften bewacht gewesen. Etwa ein Dutzend von ihnen seien von amerikanischen Scharfschützen getötet worden. Danach seien Einheiten in die Gebäude eingedrungen und hätten Dokumente und Disketten eingepackt.
Mit der nicht ungefährlichen Operation hatten sich die Amerikaner neue Erkenntnisse über den Aufenthaltsort von Taliban-Führern und Osama Bin Laden erhofft. "Es war aber alles andere als beeindruckend", zitiert die "New York Times" einen Militär zu den bisherigen Auswertungen des sichergestellten Materials.
Der geringe Informationswert der beschlagnahmten Unterlagen soll die US-Regierung auch dazu bewegt haben, sich zunehmend pessimistisch über den weiteren Kriegsverlauf zu äußern. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte vergangene Woche gesagt, Osama Bin Laden könnte vielleicht nie gefasst werden. Später korrigierte er sich und sagte, die USA würden nie müde werden, Bin Laden zu jagen.
Nach Ansicht einiger Militärs war der erste Einsatz auf afghanischem Boden aber nicht vergeblich. Man habe zumindest neue Erkenntnisse über das Verhalten der Taliban gewonnen, wenn diese angegriffen werden: "Du kannst eine Menge lernen, wenn du nur auf dem Boden landest", sagte ein US-Offizier. Es würden wohl auch weitere Bodeneinsätze folgen. "Natürlich war dies bisher nur die Aufwärmphase."