US-Offensive Dutzende Tote in Nadschaf
Bagdad - Die US-Truppen in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf sind heute Morgen erneut mit Panzern und Fahrzeugen auf einen den Schiiten heiligen Friedhof vorgedrungen. Wie in den vorangegangenen Tagen bekämpften sie dort vermutete Stellungen der "Mahdi-Armee", der Miliz des radikalen schiitischen Predigers Muktada al-Sadr.
Die US-Truppen waren gestern in der Pilgerstadt in die Offensive gegangen. Sie forderten die Bewohner des von Sadrs Miliz kontrollierten Altstadtkerns über Megafon auf, ihre Viertel zu verlassen. Die Milizionäre der "Mahdi-Armee" bereiteten sich auf einen Angriff vor. "Wir haben das Gelände rund um die Imam-Ali-Moschee und beim Friedhof vermint", sagte ein Milizführer einem dpa-Reporter. Die Zugänge zum heiligen Bezirk wurden von US-Truppen und irakischen Sicherheitskräften streng kontrolliert. Die Moschee ist eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten.
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Sadr bat inzwischen die Vereinten Nationen um Vermittlung. "Wir erhoffen die Einflussnahme (der Uno) in diesen schweren Zeiten, damit uns dabei geholfen wird, eine Welt von Frieden und Wohlstand jenseits von Krieg und Besatzung aufzubauen", hieß es nach Angaben des US-Senders CNN in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung Sadrs. Am Montag hatte der radikale Prediger noch erklärt, er und seine "Mahdi-Armee" würden in der Stadt Nadschaf "bis zum letzten Blutstropfen" kämpfen.
Nach Krankenhausangaben wurden bei den Kämpfen am Vortag und heute mindestens 30 Iraker getötet. Augenzeugen zufolge wurde außerdem das Haupttor der Imam-Ali-Moschee im Zentrum der Stadt stark beschädigt. Nach US-Angaben sind bei den Kämpfen in den vergangenen Tagen gar 360 Anhänger al-Sadrs gefallen. Sprecher des Schiiten-Predigers sagten, die Zahl der Toten sei deutlich niedriger.
In einem Markt im Norden von Bagdad riss eine Bombe am Morgen mindestens sechs Iraker in den Tod, zehn weitere Personen wurden verletzt, teilten Mitarbeiter des örtlichen Krankenhauses mit.
Unterdessen forderte der irakische Vizepräsident Ibrahim Dschaafari die Soldaten der US-geführten Truppen auf, Nadschaf zu räumen. Dschaafari sagte heute dem arabischen TV-Sender al-Dschasira: "Ich rufe die multinationalen Truppen auf, Nadschaf zu verlassen. Nur die irakischen Truppen sollten dort bleiben." Die irakischen Truppen seien selbst in der Lage, die Gewalt in der Stadt zu beenden.
Zuvor hatte bereits der Ministerpräsident der irakischen Übergangsregierung, Ijad Alawi, die Sadr-Milizen aufgerufen, sich so bald als möglich aus der Stadt zurückzuziehen. Dschaafari sagte, noch würde eine Tür für Sadr und seine Anhänger offen gehalten. Sollten die Kämpfe jedoch weitergehen, behalte sich die Regierung in Bagdad auch "außerordentliche Schritte" vor.
Die US-Regierung forderte Iran auf, seinen Einfluss zum Aufbau eines stabilen und friedlichen Iraks geltend zu machen. Iran sollte keinerlei Maßnahmen unternehmen, die den Irak destabilisieren oder Gegner der Einheit des Landes unterstützen könnten, sagte der stellvertretende Außenamtssprecher Adam Ereli in Washington. Auch an der irakisch-syrischen Grenze gebe es Sorge wegen des Personen- und Güterverkehrs. Dies sei für einen friedlichen Irak nicht hilfreich. Ereli forderte Iran und Syrien auf, alles zur Kontrolle ihrer Grenzen zu unternehmen.
Ereli wollte sich nicht näher zum Vorwurf der irakischen Übergangsregierung äußern, wonach Iran die Sadr-Miliz in Nadschaf mit Waffen versorge. Die Berichte seien mit Besorgnis aufgenommen worden.