US-Offensive "Unermessliches Desaster"
New York Schon in den kommenden Tagen wollen die Briten den Entwurf in den Sicherheitsrat einbringen. Der britische Uno-Botschafter Jeremy Greenstock erklärte am Mittwoch in New York, der Text werde direkt oder indirekt ein Ultimatum an Irak zur Zusammenarbeit mit den Waffeninspekteuren enthalten.
Aus Diplomatenkreisen verlautete am Mittwoch, die USA wollten am Freitag einen Entwurf für eine zweite Uno-Resolution in Umlauf bringen. Großbritannien dringe allerdings auf den Montag, um noch Einzelheiten des Papiers auszuarbeiten. Ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush erklärte, die USA rechneten mit einer Resolution in dieser oder in der kommenden Woche. Bislang wird im Sicherheitsrat nur mit der Unterstützung der USA, Großbritanniens und Spaniens für eine zweite Resolution gerechnet.
Obwohl die Aussagen der Regierungsbeamten auf eine rasche Resolution hindeuten, äußerten andere Diplomaten die Ansicht, die beiden Verbündeten könnten noch einen Bericht des Uno-Chef-Inspektors Blix abwarten, der für Anfang März vorgesehen ist. Die Vorlage eines Resolutionsentwurfs war ursprünglich für Mittwoch erwartet worden. Nach Angaben von Diplomaten hatten sich die USA und Großbritannien jedoch bis zum Abend noch nicht auf einen Text geeinigt. "Wir sprechen noch immer mit Verbündeten über den genauen Zeitplan und die Formulierung", sagte ein Sprecher des US-Präsidialamtes.
Unterdessen hat sich eine überwältigende Mehrheit von Ländern bei einer zweitägigen Debatte im Weltsicherheitsrat für die Abrüstung des Irak mit friedlichen Mitteln ausgesprochen. Nur etwa ein halbes Dutzend Staaten, darunter Australien und Japan, schlugen sich auf die Seite der USA und Großbritanniens.
Saudi-Arabien äußerte in der Debatte die Befürchtung, dass der Irak-Konflikt in einem "unermesslichen Deaster enden könnte. Die Nachbarländer des Irak warnten vor einem "humanitären Alptraum. Die "Kriegstrommeln werden immer lauter, und die Zeichen für einen Flächenbrand und Zerstörungen von entsetzlichem Ausmaß mehren sich am Horizont, sagte der saudiarabische Uno-Botschafter Fawzi Bin Abdul Majeed Shobokshi. Island und Norwegen stellten fest, dass die Zeit für eine friedliche Irak-Lösung noch nicht ausgelaufen ist. Kanada erklärte, dass der Irak jetzt zögernd jene Kooperation biete, die es der Uno schon seit mehr als einem Jahrzehnt schulde. Zahlreiche Länder setzten sich für eine Fortsetzung der Waffeninspektionen ein.
Nach Auskunft des deutschen Uno-Botschafters und amtierenden Sicherheitsratspräsidenten Gunter Pleuger hatten insgesamt 61 Länder um Redezeit im Rahmen der Debatte gebeten. Der iranische Uno- Botschafter Javad Zarif stellte klar, dass sein Land ein "unvergleichliches Interesse an Bagdads Entwaffnung habe. Viele Iraner litten auch heute noch unter den Folgen von Bagdads massivem Einsatz von chemischen Waffen im Krieg der 80er Jahre, sagte er. Dennoch sehe er "keinen Anlass zu einem sofortigen Angriff. Der Irak bezeichnete einen möglichen Militärschlag als Versagen der internationalen Gemeinschaft im Sinne der Uno-Charta.
US-Präsident Bush erklärte in Washington: "Wir arbeiten mit unseren Freunden und Verbündeten, um herauszufinden, ob wir eine zweite Resolution bekommen können." Zugleich bekräftigte er jedoch, eine solche Resolution sei für einen Militärschlag gegen Irak nicht zwingend notwendig. Russland und Pakistan sprachen sich am Mittwoch gegen eine zweite Uno-Resolution aus. Die Schweiz schlug zunächst bis zu einer weiteren Uno-Resolution eine Bitte der USA um Überflugrechte aus.