US-Presse: Kohl - ein "moderner Richard Nixon" - DER SPIEGEL
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US-Presse Kohl - ein "moderner Richard Nixon"

Deutschland ist weit weg, nur selten schaffen es Nachrichten über den Atlantik in amerikanische Tageszeitungen oder gar Fernsehprogramme. Der CDU und Helmut Kohl ist das jedoch inzwischen gelungen.
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Washington - "Kohl legt Ehrenvorsitz nieder, nachdem er für Skandal gerügt wurde." Die neueste Entwicklung im Fall der CDU-Spendenaffäre ist der "New York Times", einem der renommiertesten US-Blätter, am Mittwoch die Schlagzeile auf Seite eins wert, sogar mit Bild und einer Fortsetzung auf Seite zehn. Auch die anderen großen Zeitungen - wie die "Washington Post", "Los Angeles Times" und "USA Today", sind inzwischen auf den Skandal, der Deutschland seit Wochen erschüttert, aufmerksam geworden. Korrespondentenberichte aus Berlin vermelden die Fakten, kommentieren sie allerdings kaum. Auch von offizieller Seite hat sich bislang niemand erklärt. Die Politiker halten sich bedeckt.

Im Bericht der "USA Today" (Seite 13) wird Helmut Kohl als der Mann beschrieben, der "als Architekt der deutschen Einheit und als Visionär der europäischen Integration in unerreichbare Höhen" aufgestiegen war. "Im Alter von 69 Jahren steht er nun kurz davor, der Richard Nixon des modernen Deutschlands zu werden, der seine historischen Fähigkeiten durch dunkle Hinterzimmergeschäfte beschmutzt hat." Sogar bei seinem Rücktritt als Ehrenvorsitzender habe Kohl noch einmal seine "berüchtigte Hartnäckigkeit" demonstriert, indem er sich weiterhin weigere, die Namen der Geldgeber zu nennen.

Das "Wall Street Journal" kommentierte am Mittwoch: "Ist eine Partei mehr als zehn Jahre lang an der Macht - wie die CDU in Deutschland, die Tories in Großbritannien oder die Konservativen in Kanada - dann ist es fast unvermeidlich, dass sie irgendwann einer Kombination aus Korruption und Selbstgefälligkeit verfällt." Kohls größter Fehler sei es wohl gewesen, dass er es versäumt habe, einen Nachfolger mit starker Führungspersönlichkeit heranzuziehen.

Die Entscheidung des CDU-Parteipräsidiums, Schäuble den Rücken zu stärken, wird in der "Los Angeles Times" mit Misstrauen betrachtet. "Hier spiegelt sich möglicherweise ein Gefühl von Resignation, das sich durch die ganze Partei zieht. Den meisten prominenten Mitgliedern müssten die zweifelhaften Finanzierungswege zumindest bekannt gewesen sein."

In den wichtigsten TV-Nachrichtensendungen ist bislang keine Rede von Deutschland, der CDU-Krise oder Kohl.