US-Regierung Mobbing in Washington
Gegen Powells Votum streicht Präsident George W. Bush dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen 34 Millionen Dollar, Grund: Die Uno-Organisation arbeite mit Regierungsbehörden Chinas zusammen, die Frauen zur Abtreibung zwängen. Powell hingegen hatte den Bevölkerungsfonds für "seine unschätzbaren Dienste" gelobt und ausdrücklich bestritten, dass die Organisation "zwangsweise Abtreibung oder unfreiwillige Sterilisation" unterstütze. Wegen der Kongress-Wahlen im November sucht insbesondere Bush-Berater Karl Rove nach Gelegenheiten, die konservative Basis der Republikaner zufrieden zu stellen auch auf Kosten des Außenministers.
Obwohl Powell in den Vereinigten Staaten nach wie vor einen hervorragenden Ruf genießt, zog er sich in den vergangenen Monaten eine Serie von Niederlagen bei elementaren außenpolitischen Entscheidungen zu. Sein größter Widersacher im Weißen Haus ist gewöhnlich Vizepräsident Richard Cheney, in Fragen der Nationalen Sicherheit stellt sich ihm zudem regelmäßig Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entgegen.
Powell sprach sich vergebens gegen die Formulierung "Achse des Bösen" für so unterschiedliche Länder wie Iran, Irak und Nordkorea aus. Erst in der vorigen Woche machte das Weiße Haus amtskundig, dass Amerika den Versuch einstellen werde, mit Reformkräften um den eher prowestlichen Präsidenten Mohammed Chatami zusammenzuarbeiten. Die Fortsetzung des Öffnungskurses der Clinton-Regierung gegenüber den Steinzeitkommunisten in Nordkorea war Powell zudem mehrmals förmlich verwehrt worden.
Gegen seinen Rat blieb auch die amerikanische Nahost-Politik lange halbherzig und legte sich dann darauf fest, dass eine Konfliktlösung unter Ausschluss Jassir Arafats gesucht werden müsse. Powell hingegen ließ noch vorige Woche vorsichtig verlauten, er könne sich eine Regelung mit Arafat als Präsidenten ohne politische Vollmacht vorstellen. Wenn der Außenminister trotz des Mobbings im Amt bleiben sollte, dann gibt es für ihn dafür vor allem einen Grund: Als erster schwarzer Außenminister seines Landes glaubt er, zum Durchhalten verpflichtet zu sein.