US-Republikaner Verhextes Bekenntnis
Republikanerin Christine O'Donnell: Erzkatholisch, konservativ, aufgekratzt
Foto: Manuel Balce Ceneta/ APPornografie hält sie für Teufelszeug. Die Bekämpfung von Aids sei eine Verschwendung von Steuergeldern. Mit solchen Äußerungen will die Republikanerin Christine O'Donnell den US-Senat erobern. Einen ersten Erfolg kann sie bereits vorweisen: Die Kandidatin der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung setzte sich vergangene Woche bei den Vorwahlen der Republikaner in Delaware überraschend durch. Doch nun ist ein Video aus dem Jahr 1999 aufgetaucht, das ihren Freunden von der religiösen Rechten nicht gefallen dürfte. O'Donnell erzählt darin, "mit Hexerei experimentiert" zu haben.
Der Satiriker Bill Maher hatte den Film für seine Fernsehshow "Real Time" ausgegraben. Der Ausschnitt zeigt eine wesentlich jüngere O'Donnell, die mit ihren langen Locken, den Haarspangen und dem türkisfarbenen Sweatshirt wie ein Schulmädchen aussieht. "Eines meiner ersten Dates hatte ich mit einer Hexe bei einem Satan-Altar", erzählt sie in der Talkshow "Politically Incorrect", die Maher früher moderiert hat, und lacht. "Es gab auch ein wenig Blut dort und solches Zeug."
Peinlich, peinlich: Nach Bekanntwerden des Videos sagte O'Donnell zwei Fernsehauftritte ab. Bei einem Picknick der Republikaner distanzierte sie sich von dem Film. Es sei nicht fair, Kandidaten für die fragwürdigen Typen, mit denen sie in der Schule herumgehangen hätten, verantwortlich zu machen, sagte sie. Erbost äußerte sich daraufhin die Geistliche Selena Fox von der Organisation "Circle Sanctuary", die Heidentum und Naturspiritualität unterstützt, in der "Huffington Post". Jeder Politiker, der Hexerei mit Satanismus gleichsetze, sei schlecht informiert und verdiene keine Unterstützung.
TV-Mann Maher drohte indes, er habe weitere Filme auf Lager, falls die Politikerin nicht wieder in seine Sendung komme. "Ich habe dich erschaffen, Christine", so Maher. "Du musst kommen, sonst zeige ich jede Woche einen Clip. Ich bin der Einzige, der sie hat."
Allerdings hatte die ultrakonservative Katholikin auch bei MTV einen äußerst fragwürdigen Auftritt hingelegt, im Jahr 1996. "Die Bibel sagt, Lust zu empfinden sei Ehebruch. Man kann nicht masturbieren, ohne Lust zu empfinden", erklärte sie damals. Und dass Sex außerhalb der Ehe grundsätzlich falsch sei: "Ein Verstoß gegen das sechste Gebot."
Um doch noch die Kongresswahlen zu gewinnen, wird O'Donnell allerdings fast magische Kräfte brauchen: Umfragen sehen sie derzeit 16 Prozent hinter ihrem demokratischen Gegner Chris Coons. Und nicht nur Maher, auch andere US-Komiker wollen nun mit einem nicht ganz ernst gemeinten "Marsch der Millionen Moderaten" gegen die neuerdings so erfolgreiche vorgehen.