US-Streitkräfte: Aufmarsch am Golf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Streitkräfte Aufmarsch am Golf

Die Militärstreitmacht der USA wird derzeit in der Region um Afghanistan massiv ausgebaut. Saudi-Arabien machte den US-Generälen jedoch einen Strich durch die Rechnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Im US-Verteidigungsministeriums hieß es in der Nacht zum Samstag, es würden bald rund ein Dutzend Militärmaschinen, darunter Tankflugzeuge, auf Landstützpunkte und Flugzeugträger in der Golf-Region und im Indischen Ozean verlegt. Dort sind bereits 350 US-Kampfflugzeuge stationiert.

Der US-Verbündete Saudi-Arabien widersetze sich dem amerikanischen Wunsch, den Luftwaffenstützpunkt "Prinz Sultan" als Kommandozentrale bereitzustellen, hieß es weiter. Dadurch könnten sich die Planungen für einen Angriff um Wochen verzögern. Die US-Militärplaner sehen sich nun gezwungen, die Zentrale in einem anderen Land einzurichten. Saudi-Arabien und Pakistan sind die einzigen Länder weltweit, die das Taliban-Regime in Kabul anerkennen.

Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete weiter, es sei auch Anordnung zur Entsendung von schweren B-1 und B-52-Bombern sowie von Elite-Einheiten der Streitkräfte in die Region um Afghanistan erteilt worden. Doch gab es zunächst keine Hinweise darauf, dass die Entsendung bereits begonnen hat. Ein General der Luftwaffe sei bereits in der Region, um einen Militärschlag zu steuern. Nach Angaben aus den Kreisen ist ein dritter Flugzeugträger auf der Fahrt in Richtung Mittelmeer.

Tankflugzeuge vom Typ KC-135 hätten eine Luftbrücke gebildet, um die aus den USA an den Golf und zum Indischen Ozean beorderten Bomber in der Luft auftanken zu können. Irland, das nicht der NATO angehört, bot den USA an, auf seinen Flughäfen US-Flugzeuge auftanken zu lassen.

Aus der Marinebasis Sasebo im Süden Japans lief am Samstag das über 40.000 Brutto-Register-Tonnen große US-Kriegsschiff "Essex" aus, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Das Schiff solle nach einem Zwischenstopp in Yokosuka bei Tokio in den Indischen Ozean entsandt werden. Bereits am Vortag war der US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" aus dem Hafen von Yokosuka ausgelaufen. Auf dem Träger sind rund 70 Flugzeuge.

Britische Kriegsschiffe durchquerten den Suez-Kanal, um an Manövern im Golf teilzunehmen. Der Verband wurde von Schiffen der ägyptischen Kanalbehörde begleitet. Wie die britische Botschaft in Kairo mitteilte, sind die gemeinsamen Manöver mit dem Golf-Emirat Oman lange geplant gewesen. Sie hätten nichts mit dem Aufmarsch amerikanischer Marine-Einheiten am Golf zu tun. In den vergangenen Tagen hatten bereits mehrere britische Kriegsschiffe den Suez-Kanal Richtung Golf passiert.

Der NATO-Staat Türkei wird nach Angaben der Regierung in Ankara seinen Luftraum und Luftwaffenstützpunkte für die USA öffnen. Ministerpräsident Bülent Ecevit ließ in Ankara mitteilen, dass die Hilfen für die im Norden Afghanistans operierende oppositionelle Nordallianz verstärkt würden. Die Nordallianz bekämpft die Taliban-Regierung politisch und militärisch.

Mehr lesen über