US-Wahl Der letzte Countdown
Washington - "Dies wird auf die eine oder andere Weise eine historische Entscheidung, mit der wir für immer leben werden", sagte der scheidende Präsident Bill Clinton nach der mündlichen Anhörung des Obersten Gerichts am Montag. Auf Antrag Bushs hatte der Supreme Court am Samstag mit fünf gegen vier Stimmen eine einstweilige Verfügung zur sofortigen Einstellung weiterer Nachzählungen in strittigen Wahlbezirken von Florida erlassen. Das Oberste Gericht von Florida hatte zuvor zu Gunsten von Gore entschieden und die Fortsetzung der Nachzählungen für zulässig erklärt.
Nach der Anhörung zogen sich die neun Richter zu Beratungen zurück. Sollten sie in der Hauptsache zu Gunsten Bushs entscheiden, wäre er Wahlsieger in Florida. Damit erhielte Bush auch die Mehrheit der Stimmen in der Wahlmännerversammlung, die am 18. Dezember den Präsidenten bestimmen soll.
Sollte das Gericht aber die Rechtmäßigkeit weiterer Kontrollzählungen feststellen, hätte Gore noch die Chance, an Bush vorbeizuziehen.
Bush erklärte in Austin nach der Anhörung, er sei "vorsichtig optimistisch", dass das Gericht in seinem Sinne entscheiden werde. Vizepräsident Gore wartete zusammen mit seiner Frau Tipper in seiner Amtsresidenz in Washington auf das Urteil.
Unterdessen wollte das Parlament in Florida auf Grund des bisher verkündeten offiziellen Ergebnisses am Dienstag über eine Berufung der 25 Wahlmänner des Staates beraten. Parlamentspräsident Tom Feeney sagte, er werde an diesem Plan festhalten, sofern er vom Obersten Gericht in Washington nicht eine anderslautende Anweisung erhalte. Angesichts der ungeklärten juristischen Fragen sprach Feeney im Zusammenhang mit einer Berufung der Wahlmänner durch das Parlament von einer "radioaktiven, heißen Kartoffel". Im Abgeordnetenhaus von Florida haben die Republikaner eine Mehrheit von 77 zu 43, im Senat von 25 zu 15 Mandaten.
Das Ergebnis der Abstimmung des Wahlmännergremiums wird traditionell erst beim Zusammentritt des neuen Kongresses Anfang Januar bekannt gegeben. Außerdem sind die Wahlmänner nicht aller Staaten daran gebunden, auch den Kandidaten zu wählen, für den sie in das Gremium entsandt worden sind. Auch hier könnte es noch eine Überraschung geben.