US-Wahl Entscheiden 200 Stimmen?
Washington - Der demokratische Kandidat Al Gore hatte am Mittwochmorgen im Telefongespräch mit dem Republikaner George W. Bush bereits eine Niederlage eingestanden, dies aber später wieder zurückgezogen. Entscheidend dafür war der Wahlausgang in Florida, wo der Vorsprung für Bush auf etwa 200 Stimmen zusammenschrumpfte.
Gores Wahlkampfmannleiter William Daley sagte daraufhin vor jubelnden Anhängern in Nashville im US-Staat Tennessee, die Fernsehsender hätten Bush zu früh zum Sieger erklärt. Das sich abzeichnende Ergebnis in Florida sei so knapp, dass die Stimmen in diesem Staat neu ausgezählt werden müssten. Dies kann nach Darstellung von Wahlbeamten möglicherweise mehrere Tage dauern. Auch die Stimmen von Briefwählern könnten eine Rolle spielen.
Wenn sich das äußerst knappe Ergebnis in Florida für Bush bestätigen sollte, hätte der texanische Gouverneur die für den Gesamtsieg erforderliche Mindestzahl von 271 Wahlmännerstimmen erreicht. Falls doch noch Gore in Florida an Bush vorbeiziehen sollte, wäre das Rennen wieder offen und würde in den noch nicht ausgezählten Staaten Oregon, Wisconsin und New Mexico entschieden. Bis zum Vormittag hatte Gore 244 "electoral votes" erreicht, während Bush zunächst auf 246 Wahlmännerstimmen Stimmen kam. Für den Wahlsieg sind 270 Wahlmännerstimmen erforderlich.
In absoluten Zahlen zog Gore bei einem Auszählungsstand von 96 Prozent an Bush vorbei: Beide kamen auf einen Anteil von jeweils 48 Prozent, Gore erreichte jedoch den vorläufigen Zahlen zufolge 137.000 Stimmen mehr als Bush. Mit einem Anteil von rund drei Prozent kam der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, auf den dritten Platz.
Gouverneur Bush gewann unter anderem in Gores Heimatstaat Tennessee, in Ohio sowie in seinem eigenen Staat Texas. Zu den wichtigsten Einzelergebnissen Gores gehörten Siege in Michigan, Kalifornien und Pennsylvania.
Patt im Senat möglich
Die Republikaner sicherten sich die Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Nach Hochrechnungen können die Republikaner mit 222 Sitzen im Repräsentantenhaus rechnen, während die Demokraten vermutlich auf 211 Sitze kommen. Zwei Mandate entfallen demnach auf unabhängige Kandidaten. Damit bliebe die bisherige Mehrheit der Republikaner von 223 zu 211 Sitzen praktisch unverändert.
Im Senat konnten die Demokraten vermutlich vier Sitze hinzugewinnen - möglicherweise kommt es hier noch zu einem Patt von 50 zu 50 Mandaten. Im bisherigen Senat gibt es 54 republikanische und 46 demokratische Abgeordnete.
Die Wahlbeteiligung war nach ersten Berichten mit 52 bis 54 Prozent höher als vor vier Jahren - damals hatten nur 49 Prozent der Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Zunächst war in diesem Jahr sogar mit einer besonders niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet worden. Wahlberechtigt waren rund 206 Millionen Amerikaner. Der neue Präsident tritt sein Amt am 20. Januar an.