US-Wahl: Jetzt wird noch einmal gezählt - DER SPIEGEL
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US-Wahl Jetzt wird noch einmal gezählt

Bereits heute soll in Florida mit der Neuauszählung von rund 43.000 Stimmkarten begonnen werden. Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates hatte angeordnet, dass alle umstrittenen Wahlzettel nochmals ausgewertet werden müssen. Al Gore hofft nun, doch noch an seinem Rivalen George W. Bush vorbeizuziehen.
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Tallahassee - Unter wachsendem Zeitdruck beginnt am Samstagnachmittag in Florida die nachträgliche Auswertung der Stimmlochkarten. Die Kontrolle soll den Ausschlag geben, ob der Republikaner George Bush oder der Demokrat Al Gore nächster Präsident der USA wird. Angeordnet wurde sie am Freitag vom Obersten Gericht des Bundesstaates Florida. Die Republikaner beantragten beim Bundesgerichtshof in Washington eine einstweilige Verfügung dagegen. Am Dienstag läuft die Nominierungsfrist für die ausschlaggebenden 25 Vertreter Floridas im Kollegium der 50 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington ab, das am 18. Dezember den Präsidenten bestimmt.

Die Kontrollen werden von mehreren Richtern geleitet. Der Leiter der Gruppe, Terry Lewis, sagte, die Auswertung werde am Samstag um 8.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MEZ) beginnen hoffentlich am Sonntag bis 14.00 Uhr (Ortszeit, 20.00 Uhr MEZ) abgeschlossen sein. Für die Klärung von Zweifelfragen hielten sich seine Richterkollegen bereits. Wegen des Zeitdrucks lässt Lewis während der Kontrollen keine Einsprüche der Parteien zu.

Beschwerden seien anschließend schriftlich an ihn zu richten. Auf den strittigen Lochkarten haben die Zählmaschinen auch bei zwei Durchgängen kein Votum zu erkennen können. Sie werden nun per Augenschein auf aussagefähige Markierungen überprüft.

Bushs Vorsprung schrumpft auf 154 Stimmen

Das Urteil des Staatsgerichtshofes von Florida war das jüngste beiner ganzen Serie von richterlichen Entscheidungen seit der Wahl vor über vier Wochen, die teils für Gore, teils für Bush ausfielen. Die Urteile stützen sich auf längst vergessene Gesetze und Urteile von zweifelhaftem Wert oder die Richter bewegten sich auf juristischem Neuland. Der Gerichtshof ließ nicht nur die nachträgliche Auswertung der über 40.000 bislang ungültigen Stimmen zu, er erklärte auch weit über 300 Stimmen für gültig, die bei früheren Kontrollen dem Demokraten Gore zugeschrieben worden waren. Das verringerte den Vorsprung des Republikaners Bush von 537 auf 154 Stimmen.

Das ist weniger als ein Zehntel seines Vorsprunges nach der ersten maschinellen Zählung. Weil der Abstand unter einem halben Prozentpunkt lag, wurde eine maschinelle Nachzählung nötig, die den Vorsprung auf 930 Stimmen abschmolz. Kontrollen, die die Regierung Floridas für eine befristete Zeit zuließ, ergaben dann 537 Stimmen Bush-Vorsprung. Gore und seine Anwälte hoffen nun, dass sich bei den neuen Kontrollen genügend Stimmen finden, um Bush zu überholen.

Wegen des landesweit knappen Wahlausganges geben die 25 Wahlmänner Floridas den Ausschlag, ob Bush die absolute Mehrheit im Wahlkollegium erhält oder Gore. Sie wurden bereits auf der Grundlage des vorläufigen Amtlichen Endergebnisses nominiert und auf Bush festgelegt. Sollte kein Ende der gerichtlichen Auseinandersetzungen bis zum Dienstag in Sicht sein, will das Staatsparlament von Florida mit seiner republikanischen Mehrheit den Wahlmännern das Mandat erteilen, am 18. Dezember für Bush zu stimmen. Das Ergebnis der Abstimmung im Kollegium muss vom neuen Kongress in Washington bestätigt werden, wo die Republikaner eine knappe Mehrheit haben.