US-Wahl Justizministerin greift ein
Washington - Der demokratische Abgeordnete Robert Wexler erklärte, in der Region Palm Beach County seien am Dienstag 19.000 Stimmen für ungültig erklärt worden. Die Wahlkarten seien zweimal gelocht worden, was als Zeichen gewertet wurde, dass zweimal abgestimmt worden sei. Die meisten dieser Stimmzettel stammten aus Schwarzenvierteln, die traditionell eher Demokraten wählen. Berater von Gore deuteten an, sie wollten wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung womöglich rechtliche Schritte einleiten.
Unterdessen wurden mindestens drei Klagen eingereicht, in denen Neuwahlen in einigen Regionen verlangt wurden. Nach Angaben der Wahlkommission in Florida soll die neue Auszählung bis 23 Uhr MEZ abgeschlossen sein. Unklar ist, ob damit bereits das Ergebnis feststeht oder noch die Auszählung der Briefwähler aus Übersee abgewartet werden muss.
Bis zu zehn Tage kann es dauern, bis die Briefwahlstimmen ausgezählt sind. Nach dem bisherigen Ergebnis lag Gore in Florida rund 1800 Stimmen hinter seinem republikanischen Kontrahenten, George W. Bush. Der Kandidat, der die 25 Wahlmännerstimmen Floridas erhält, ist neuer US-Präsident.
Nach den bisherigen Ergebnissen aus den anderen US-Bundesstaaten kommt Gore auf 260, Bush auf 246 Wahlmännerstimmen. Mindestens 270 der insgesamt 538 Stimmen sind für den Wahlsieg erforderlich. Daher ist der Sieg in Florida ausschlaggebend. Landesweit hatte Gore bei rund 100 Millionen abgegebenen Stimmen rund 175.000 Stimmen mehr als Bush erhalten.
Im US-Fernsehen sagte der frühere Büroleiter Gores, Jack Quinn: "Wir glauben, dass Zehntausende Stimmen, die für Gore abgegeben wurden, aus verschiedenen Gründen nicht gezählt wurden." Auch hätten einige Gore-Anhänger wegen unübersichtlicher Stimmzettel unabsichtlich für den Kandidaten der Reformpartei, Pat Buchanan, gestimmt. Einige dieser Wähler hätten bereits Klage eingereicht und eine neue Abstimmung gefordert, sagte die demokratische Kongressabgeordnete Lois Frankel.
Ex-Außenminister im Einsatz im "Sunshine State"
Die Nachzählung der Stimmen in Florida beobachtet für Bush der frühere republikanische Außenminister James Baker, für Gore ist der demokratische Ex-Außenminister Warren Christopher im Einsatz. Insgesamt müssen sechs Millionen Stimmen neu ausgezählt werden. Der ehemalige republikanische Bildungsminister William Bennett befürchtet einen langwierigen Rechtsstreit um das Wahlergebnis. Die Tatsache, dass zwei ehemalige Außenminister und 60 Anwälte in Florida aktiv seien, stimme ihn nicht zuversichtlich, dass es zu einer raschen Lösung des Problems komme, sagte er dem Fernsehsender CNN.
Der Wahlleitung zufolge wurden in der Wahlnacht die Stimmen der Briefwähler noch nicht mitgezählt. Wähler, die im Ausland leben, aber in Florida gemeldet sind, mussten ihre Stimme bis Dienstag (Datum des Poststempels) abgeschickt haben. Danach haben die Briefe zehn Tage Zeit, die Wahlleitung zu erreichen, um noch mitgezählt zu werden.