US-Wahlen Knapper kann es kaum sein
Washington - Die ersten Ergebnisse der Nacht hatten den Republikaner George W. Bush in Führung gebracht. Später lag Gore vorn, jetzt wieder Bush. Derzeit hat der Demokrat 230 Wahlmänner sicher, Bush 217. Die Wahlentscheidung im US-Staat Florida ist überraschend wieder für offen erklärt worden. Nachdem alle TV-Sender die 25 Wahlmänner dieses Bundesstaates zunächst an Gore gegeben hatten, revidierten sie diese Hochrechnung später wieder. Der Grund ist die hohe Zahl an Briefwählern, deren Stimmen in die Berechnung der in Wahllokalen abgegebenen Voten nicht eingehen. In Florida waren 25 Wahlmännerstimmen zu vergeben.
Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat 270 der insgesamt 538 Mitglieder dieses Gremiums gewinnen. Gore hat sich die heftig umkämpften US-Staaten Michigan, Illinois, New York und Pennsylvania holen können. Doch der neue Präsident der Vereinigten Staaten steht noch längst nicht fest. Es bleibt bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, dessen Zieleinlauf noch nicht absehbar ist. Bislang sind 41 der 51 Staaten ausgezählt. Bush siegte den Prognosen zufolge erwartungsgemäß in seinem Heimatstaat Texas, was ihm 32 Wahlmännerstimmen einbringt. Der Wahlausgang hängt jetzt vom Ergebnis in den Staaten an der Westküste ab, wo die Wahllokale noch geöffnet sind.
Die Wahlbeteiligung ist nach bisherigen Berichten in allen US-Staaten höher als erwartet. Der Bürgerrechtler Kweisi Mfumi, Vorsitzender der Minderheiten-Lobby NAACP, sagte, bis zu 80 Prozent der Bevölkerung schwarzer Hautfarbe hätten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Die Schwarzen gelten traditionell als Anhänger der Demokraten.
Die Wahlbeteiligung gilt wegen des knappen Abstandes zwischen Gore und Bush als ausschlaggebend. Sie hatte bei der letzten Wahl 1996 bei 49 Prozent gelegen. Die letzten Wahllokale schlossen in Alaska um 5 Uhr MEZ am Mittwochmorgen.
Neben dem 43. Präsidenten der USA standen alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 34 der 100 Senatoren zur Wahl. In beiden Häusern des Kongresses haben die Republikaner derzeit die Mehrheit. Die Demokraten müssten im Repräsentantenhaus sieben und im Senat fünf Sitze hinzugewinnen, um erstmals seit 1994 die Mehrheit im Kongress zu gewinnen.