US-Wahlkampf: Ein Präsident mit Bikini-Bodyguards? - DER SPIEGEL
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US-Wahlkampf Ein Präsident mit Bikini-Bodyguards?

Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf ist um eine Facette reicher: Der Chefredakteur des Männer-Magazins "Maxim" will den Biedermännern Gore und Bush das Lachen beibringen - und sich selbst zusätzliche Leser verschaffen.
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New York - Schon immer sorgten schillernde Außenseiter für Abwechslung im ansonsten vorhersehbaren, umfragengeleiteten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf: Alle vier Jahre versuchen Randfiguren mit zu viel Geld oder zu großem Ego die Mainstream-Vertreter der Republikaner und Demokraten zu düpieren. Einige, wie die Grünen- oder Reformpartei-Kandidaten, haben tatsächlich eine Agenda, andere machen es einzig und allein des Spaßes wegen.

Zu letzteren zählt Andrij Witiuk, Chefredakteur des Magazins "Maxim" , der das Bush-Gore-Duell unsäglich langweilig findet und jetzt laut eigener Aussage seine unabhängige Kandidatur vorbereitet. Offiziell ist die Kandidatur noch nicht, aber am Mittwoch hat Witiuk eine Kick-Off-Veranstaltung in einem New Yorker Fast-Food-Restaurant abgehalten, wie das Online-Magazin "Salon"  berichtet. Demnach platzte Witiuk, gefolgt von sechs weiblichen "Bodyguards" in sternenübersäten Bikinis, in das Restaurant gegenüber dem Empire State Building. Aus den Lautsprechern tönte "Don't stop believing". Dann verlas der Möchtegern-Kandidat seine Wahlkampfrede, die er sich auf der linken Handfläche notiert hatte.

Während die Forderung nach Abschaffung aller Steuern auf Zigaretten, Bier und Benzin auch von echten Politikern stammen könnte, zeigen andere "Wahlkampfversprechen", wie wenig ernst Witiuks Kandidatur zu nehmen ist: So will er Boygroups wie die Backstreet Boys oder 98° kastrieren lassen und zu große Bikinis ganz verbieten.

Witiuks Wahlkampf-Motto lautet "Why not me?", sein Programm - nachzulesen auf seiner aufwendigen Website  - ist eine Ansammlung absurder Nichtlösungen in den klassischen Politikfeldern. Unter Außenpolitik erklärt Witiuk beispielsweise, wie er das Problem des kubanischen Flüchtlingsjungen Elián Gonzalez angehen würde: "Elián Gonzalez wird in den Atlantischen Ozean geworfen, dann kann er schwimmen, wohin er will."

Die offizielle Kandidatur soll in der Septemberausgabe des Magazins bekannt gegeben werden. Das Team um Wahlkampfmanager Charles Coxe (im Hauptberuf "Maxim"-Redakteur) will mit Hilfe der 1,6 Millionen "Maxim"-Leser Witiuk sogar auf den Wahlzettel bringen. Auch auf den Parteitagen der Republikaner und Demokraten im Spätsommer will Witiuk auftreten.

Das klingt ernst, und wie jede Gegenkandidatur hat auch Witiuks Protestcharakter. Doch mit ihrem hohen Unterhaltungswert ist sie vor allem eine clevere Marketingstrategie, um für "Maxim", die "Bier- und Titten-Bibel für Männer, die sich die Eier kratzen und über Furzwitze lachen" ("Salon") neue Leser zu gewinnen. Man kann dennoch nie wissen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Auch die vermeintliche Spaß-Kandidatur von Jesse Ventura wurde belächelt - jetzt ist er Gouverneur von Minnesota.

Carsten Volkery